Sonntag, 12. April 2015

Making Of: neues Cover für Wald- und Wiesengeschichten

Ein neues Cover musste her! 

Nach 2 Wochen überlegen und Ideen verwerfen kam mir der Einfall. Eigentlich war die Antwort schon immer da ... :-) Mit 16 hatte ich gerne mal gotische Lettern gemalt und mit Ranken eingerahmt. Also? 

Das Kritzeln dauerte nochmals 2 Wochen. Denn eigentlich kann man alles Mögliche in so eine rankenverzierte Initiale einbauen - viele bunte Tiere zum Beispiel, also die meisten, die im Büchlein mitspielen.


Am Ostermontag hatte ich mich ins Grafikstudio meines Vertrauens zurückgezogen, mit Strömen an Schwarztee, zur ruhigen Musik von Current 93, und alle Entwürfe auf 1 Papier gepaust. 
Mit Hilfe der Grafikerin habe ich dann in Photoshop und InDesign das Ganze koloriert (ca. 10 Stunden Arbeit, unter Regie von St. Königshausen Grafikdesign). Vielen herzlichen Dank dafür!

Hier Eindrücke vom Making-Of: 







Demnächst müssten die Wald -und Wiesengeschichten mit diesem Cover erhältlich sein. 

Zuvor hatten wir ja "Wildnis Nr. 50" re-designed: 



Und als nächstes kommt ...  Naja, soviel mal zur "Design-Offensive 2015". 

Ich hoffe, euch gefallen die Covers so gut wie mir. 


Zu haben ist der Spaß nach wie vor hier: 
http://www.amazon.de/s/ref=ntt_athr_dp_sr_1?_encoding=UTF8&field-author=Robert%20K%C3%B6nigshausen&search-alias=digital-text&sort=relevancerank


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Now for something completely different: 

In der Zwischenzeit kam ein Schulbuch für die Oberstufe neu heraus, das eine Illustration von St. Königshausen Grafikdesign aufgenommen hatte. Herzlichen Glückwunsch und großen Respekt dafür! 

So sieht das aus: 


Rechts unten: "Dantons Tod"

 ....







Jubiläum!

2015 wird gefeiert!

Es begann aus Jux und Langeweile. Die Zeit zwischen Notenschluss und Zeugnisausgabe wollte ich nutzen. So entstand 1985 das allererste Werk. 

Veröffentlicht hatte ich es hier bereits: 
http://wortlaterne.blogspot.de/2013/11/allererstes-gedicht-die-woche.html

Was könnt ihr 2015 erwarten? 



-> Preisfeste statt Festpreise
-> wieder Gratis-Tage für eBooks
-> Retro-Schmankerl
-> eine Design-Offensive für Buchcover
und natürlich unglaubliche Deals á la "Nimm-3-Zahl-3" etc. 

Wenn das kein Grund zum feiern ist? 



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Samstag, 11. April 2015

psst!



 Bitte scrollen Sie weiter - hier gibt es nichts zu sehen! 










Der Pinguin ist nur ein Eye-Catcher, und hat mit dem Produkthinweis nichts zu tun.
Der untenstehende Link könnte einen Skandal verursachen. 

http://www.amazon.de/Ich-Zicke-Ein-Tag-B%C3%BCro-ebook/dp/B00V04UWN0/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1428727724&sr=1-1




Bitte scrollen Sie weiter - hier gibt es nichts zu sehen!








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Dienstag, 10. März 2015

Leseprobe "Château-Camping"

Hier eine kleine Leseprobe aus "Château-Camping". Die Kapitel sind angenehm kurz, es steht aber viel drin. In lyrischer Sprachverdichtung wird das dunkle Familiengeheimnis angeschnitten.


Kapitel 10
Lauf, lauf, warmes Wasser, lauf an ihm herab. Lauf, lauf, warmes Wasser, wasche den Dreck von ihm ab, unterbrich nicht deinen Lauf! Schon drückt er auf den Knopf, damit das Wasser weiterfließt. Längst abgewaschen ist die Seife von seinem Körper. Obendrein weichte sie die harte Schale seiner Erinnerungen auf. Lauf, lauf, warmes Wasser – wasche all diese Gedanken von ihm ab.
Sie hatte ihm schöne Augen gemacht, er war ihr Chef gewesen. Der schmutzige Klassiker, während die Ehefrau zuhause nur Ahnungen hat, genährt von schlechten Ausreden, fremdem Geruch, ungewöhnlichen Geschäftsreisen. Ein paar kleine Unachtsamkeiten führten zu einem unschönen Ende. Zu einer Ehe, die in die Brüche ging. Nicht deswegen – er hatte es nie gestanden. Auf dieser Basis aber wogen andere Konflikte gleich viel schwerer, sie führten zu den offiziellen Gründen der Scheidung.
Er hatte sich selbst gehasst, und diesen Zorn an der Sekretärin ausgelassen. Den gemeinsamen Sohn hatte er verstoßen, wollte nichts von ihm wissen. Als dieser achtzehn Jahre später an seiner Tür gestanden hatte, waren ihm nur Wutausbrüche eingefallen – es war das ihm vertraute Verhaltensmuster. Lauf, lauf, warmes Wasser, wasche all diese Erinnerungen von seiner Seele. Lauf, lauf, warmes Wasser, spüle soviel du kannst!

Macht war ihm zuteil gewesen, Macht hatte er eingesetzt. Sich durchgesetzt, mit Widersachern auseinandergesetzt, sie auseinander genommen. Dass Macht mit Verantwortung einhergeht, blieb ihm fremd.
Hatte er jemals in seinem Leben Verantwortung übernommen?
Lauf, lauf, warmes Wasser, wasch ab soviel du kannst! 




6
Aisha bringt ein wenig exotisches Flair in den Supermarkt, in das riesige, neue Gebäude
am Rande des Ortes, an der Durchgangsstraße. Mit dem Auto ist er fünfzehn Minuten vom Château entfernt – und doch die nächste Einkaufsmöglichkeit.
Der Arbeitskittel verdeckt die schlanke Figur, aber ihr Gesicht und das wallende, rabenschwarze Haar verzaubern so manchen Mann. Es ist vor allem der ruhige Blick, aus warmen, braunen Augen, der ihr zusätzliche Schönheit verleiht.
Beim Make Up gehen die Meinungen auseinander. Der großflächige Einsatz von silbernen Tönen um die Augen ist nicht jedermanns Geschmack. Ihr Vater findet es unanständig, und verweigert ihr neuerdings den Kontakt. Für Mutter ist sie schön, und immer noch ihr Kind. 





13
Grünes Licht taucht Schnapsflaschen im Regal in aufregende Farbtöne. Der Tresen scheint in Blau, zieht die ersten Gäste magisch an, wie Insekten, auf der Suche nach einem köstlichen Schluck.
Claudette genießt die schummrige Atmosphäre, bewundert das Etikett auf der Flasche ihres Knut, dem Trendgetränk des Sommers. Sie mag Design und Kneipenluft, bewundert das gute Auge der Gestalter, kann sich aber nicht vorstellen selbst darin tätig zu werden. Es genügt ihr, sich in Gesellschaft zu fühlen, und von schönen Dingen umgeben zu sein.




K
Gierig hält die Schnecke auf das Wohnmobil einer britischen Rentnerin zu, die ihre Kühlbox im Freien sortiert. Doch leider ist die Schnecke zu langsam. Die alte Dame verräumt alles, nimmt sich eine Zeitschrift und geht ins Schlossrestaurant. 






Die volle Version: 
http://www.amazon.de/Ch%C3%A2teau-Camping-Stefanie-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00UDFQIMG/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1425964841&sr=8-1&keywords=chateau-camping



Sonntag, 8. März 2015

Making Of: "Chateau-Camping"

Auf einem Campingplatz tummeln sich ja die verschiedensten Leute. Manche arbeiten dort auch.
Wenn man genauer hinschaut, und das wollen wir tun, erkennt man Interaktionen unter den Protagonisten. Nach und nach wird das Bild klarer, dann ist der Aufenthalt auch schon vorbei.
Fünf Monate lang hatte ich daran gekritzelt, inkl. lektorieren und korrektieren von Ilse Bub von der Autorengruppe "Punktum", also eher lang.


Die Kapitel sind angenehm kurz, bringen immer neue Aspekte über die Protagonisten – und sollten sich in ihrer Form nicht wiederholen. Daran stockte die Arbeit des öfteren. Inspiration holte ich mir dann aus dem Buch „Mink River“, von Brian Doyle.

Auf die Idee brachte mich ein Aufenthalt auf dem Campingplatz Château d‘Eperviere, der auch das Cover ziert.
Als „Gast-Star“ konnte ich eine Weinbergschnecke gewinnen, die ihre Spur als „Marginale“ durch das Büchlein zieht.

"Schnitt" und "Kompositionm" der Kapitel habe ich ganz klassisch ausgetüftelt: mit der Schere den Text in seine Kapitel zerschnippeln, diese neu zusammensetzen, kritisch überdenken, neu arrangieren, neue Kapitel einschieben, im Skript ändern - und dieses Korekturlesen lassen.

Wenn sich das Büchlein locker leicht liest, zum Schmunzeln und Weiterdenken anregt und gute Unterhaltung bietet, dann - ja dann habe ich hart genug daran gearbeitet :-)

Zum Cover-Basteln habe ich einen Crashkurs über Grundlagen des Gestaltens und Anwendung von Grafikprogrammen belegt.
Nach ca. 10 Stunden analogem Schnippeln, Drucken und Verschieben stand der Prototyp-Entwurf. Beim Schliff hat mich das Grafikstudio meines Vertrauens unterstützt, vielen Dank St. Königshusen Grafikdesign!, was nochmals ca. 10 Stunden Arbeit war.

der Prototyp


Dafür kann ich jetzt einen 10 Jahre alten Klapprechner verwenden (ich sag nur: "nachhaltig erzeugte Literatur aus der Region") - und mit ihm bisherige Cover überarbeiten.

Jetzt muss der Spruch noch kommen:
Ja, es ist ein Buch mehr, das die Welt nicht braucht. Aber es ist schön zu lesen.


Es ist noch zu haben, und zwar hier:
http://www.amazon.de/Ch%C3%A2teau-Camping-Stefanie-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00UDFQIMG/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1425798407&sr=1-1&keywords=chateau+camping


Samstag, 7. März 2015

Kurzroman "Château-Camping"

Sennecy-le-Grand, Burgund, 2014: in einem alten Schloss, Mittelpunkt des dazugehörigen  Campingplatzes, findet ein Schiffskoch sein Zuhause, und eine neue Patchwork-Familie mit der jungen Kassiererin Aisha. Einer der Gäste droht sich eines Tages unheilvoll in das Geflecht einzufügen, und ein dunkles Familiengeheimnis zurückzubringen. Doch der Koch, dessen Namen wir nicht erfahren, ist festentschlossen, die Fehler seiner Familie nicht zu wiederholen.

Haben die Zwei etwas miteinander? Und wen interessiert das überhaupt? Es wird gerade viel genug gezeigt, damit sich die Handlung schließt, und ein entzückendes Bild entsteht. Kein Ballast wie viele Namen, Action oder lange Herleitungen soll das Werk überfrachten, damit die epische Sprache mehr Raum für Assoziationen bekommt.
    Das Abenteuer einer Weinbergschnecke, die in Burgund nicht fehlen darf, läuft  zusätzlich, als eine Art Marginalie, durch das Buch.

Alle Personen und Namen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.



Hier ist es erhältlich:
http://www.amazon.de/Ch%C3%A2teau-Camping-Stefanie-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00UDFQIMG/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1425798407&sr=1-1&keywords=chateau+camping


Samstag, 14. Februar 2015

Leseprobe aus "Cherry Kiss"

Leseprobe

„Gemütlichkeit in der Taverne, während draußen ein Sturm losbricht“

1
Das Licht der sinkenden Sonne taucht die Welt in rotgelbes Licht. Eine warme Sommerbrise raschelt durch die Blätter der Bäume, lässt Äste vor der großen Fensterfront hin und her tanzen. Schwalben fliegen emsig umher, die Sirene eines Rettungsfahrzeugs dringt aus der Ferne, durch die offenen Türen, ins Restaurant. Die meisten Gäste sitzen auf der Terrasse, genießen Gyros oder Souvlaki unter Sonnenschirmen.
    Alois sitzt drinnen und bekommt ein weiteres Bier serviert. Er sitzt oft an diesem Tisch, genießt die gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre aus gebeizten Holzmöbeln, bunten Kissen auf den Bänken, schwarzen Regalen mit Lichtern in den Fächern, die als Raumteiler dienen; und großen Leuchtern, die von der Decke hängen. Ihm gefällt die moderne Einrichtung, sie passt zu den großen Fensterfronten.
    Ägidius, der Kellner, kennt ihn schon lange, Alois verbringt mehrmals die Woche seine Abende hier, trinkt ein Bier nach dem anderen, gehört schon zum Inventar.
Alois kennt die Tätowierung auf dem Unterarm des Kellners, und seine Geschichte. Ägidius war in ein Mädchen verliebt gewesen, hatte sich ihren Namen tätowieren lassen. Nach der Trennung, die sehr schmerzhaft für ihn gewesen war, hatte sie sich in einen anderen jungen Mann verliebt, und diesen geheiratet. Es klang so, als seien Ägidius und er Erzrivalen gewesen. Ägidius hatte den Namen durchstreichen lassen, was zu einem hässlichen Fleck führte, den er für immer auf der Haut trägt. Vor vielen Jahren, zum Ladenschluss, trank er Wein mit Alois, erzählte ihm diese Geschichte.

Ägidius sieht nach den Gästen auf der Terrasse, Alois träumt vor sich hin.
Außer ihm sitzt nur ein Pärchen drinnen, am Ende des Raumes, an der Fensterfront. Sie reden nicht viel, scheinen sich auch ohne viele Worte zu verstehen. Immer wieder amüsieren sie sich leise, inspirieren sich gegenseitig, oder schauen aus dem Fenster. Sie sind schon lange zusammen, das ist für Alois offensichtlich. Am Anfang einer Beziehung legt man sich ins Zeug, will den Partner beeindrucken. Mit den Jahren entsteht tiefes Vertrauen, das nicht viele Worte braucht.

Die dunklen Wolken zeigen sich noch immer mit gelber Färbung, obwohl das Tageslicht weniger wird. Abermals hört man die Sirene eines Rettungsfahrzeugs näherkommen, passieren, in der Ferne verschwinden. Die Äste der Bäume wackeln heftiger. Außer ihm und dem Pärchen scheint es niemand zu bemerken. Ägidius ist mit Servieren beschäftigt, und die Gäste auf der Terrasse sehen nicht viel von der Wolkenfärbung, unter ihren Sonnenschirmen. Nach wie vor dringt lautes Gebrabbel und Lachen von draußen herein. Emsig tragen die Kellner Speisen und Getränke nach draußen, benutztes Geschirr zur Küche, erkundigen sich bei den Gästen, ob alles zur Zufriedenheit ist. Es dauert eine Weile, bis Alois sein nächstes Glas bekommt.
Das ist eine Serviette, die vor dem Fenster vorbeifliegt. Ägidius klappt die Sonnenschirme ein, die ersten Gäste glätten ihr vom Wind zersaustes Haar, ziehen ihre Jacken an, packen ihr Essen und gehen nach drinnen; andere wollen erst aufessen, oder genießen das letzte Licht des Tages.




2
Schon wieder fliegt eine Serviette herum, die Äste wackeln aufgeregt, eine dunkle Wolkendecke bedeckt den Himmel. Der Wind frischt auf, immer mehr Gäste verlassen die Terrasse. Als Regen einsetzt, ziehen auch die Hartgesottenen nach. Das Personal hilft beim Tragen, räumt ab, versorgt Gäste an neugefundenen Plätzen im Trockenen. Einige bezahlen, machen sich auf. Innerhalb kurzer Zeit bricht Starkregen los, viele überlegen es sich deshalb spontan anders, bleiben und bestellen ein Getränk. Man rückt zusammen, arrangiert und hilft sich, es wird gemütlich, Kerzenlicht bringt Behaglichkeit.
Nach und nach finden die Leute zu ihren Gesprächen zurück, füllen den Raum mit ihren Stimmen. Der Regen prasselt unaufhörlich und laut, spült immer wieder neue Gäste ins Lokal, auf der Suche nach einem trockenen Ort zum Aufwärmen. Vielen von ihnen genügt ein Barhocker am Tresen, ein Sessel dahinter oder ein Platz auf einem der beiden Sofas im Eingangsbereich. Zwangsläufig entstehen Gespräche; Menschen, die sich bis eben noch fremd waren, werden zu Bekannten.

Aus dem Regen kommt eine Frau ins Lokal, schüttelt ihren Schirm aus, bevor sie ihn einklappt, hängt ihre nasse Jacke in die Garderobe. Für Alois geht die Sonne auf. Zwar ist sie keine Schönheit, doch ihm gefällt sie. Ihr Alter, ihr Auftreten, all die Spuren alter Geschichten in ihrem Gesicht – diese Mischung spricht ihn an. Sie verlangsamt ihren Schritt, sieht sich um, hält auf den Tresen zu, setzt sich auf einen Barhocker und bestellt sich ein großes Bier. Im Vorbeigehen hatte sie Alois gemustert, aber den Tresen vorgezogen.
Unschlüssig spielt er mit einem Bierdeckel in seinen Fingern, weiß nicht recht was er tun soll. Er hat sie hier noch nie gesehen, obwohl er oft zu Gast ist. Der Sturm muss sie hereingeweht haben.
Er spürt einen Drang, dem er zuerst nachgehen muss. Mit wenigen Schlucken leert er sein Glas, folgt dem ausgeschilderten Weg zur Toilette. Als er die Sofas passiert, sieht er eine lustige Schar junger Leute, die sich angeregt unterhalten. Auch sie hat er nie zuvor gesehen. Ihm gefallen die gute Laune und die Geselligkeit. „Da muss erst ein Sturm kommen, damit es hier mal schön voll wird“, denkt er beim Händewaschen.
Frohen Mutes und mit heiterer Miene geht er in den Gastraum, hält auf den Tresen zu und nimmt neben der Fremden Platz. „Guten Abend. Darf ich ihnen ein Getränk spendieren?“
„Guten Abend.“ Sie wirkt gutgelaunt. „Ich nehme ein Mal das Gleiche.“
Er bestellt zwei große Bier, und schon sind sie ins Gespräch vertieft. „Warum sollen nur auf dem Sofa Menschen zusammenfinden?“, denkt er sich.
Denn auf einem der Sofas, das hat er im Vorbeigehen erfasst, bahnt sich die nächste Bekanntschaft an.
Sie ist blond, kurzhaarig, er brünett, mit langem Haar. Beide sind etwa Mitte zwanzig, und teilen ein gemeinsames Hobby. Immer wieder schielt Alois zu ihnen hinüber, teilt seine Beobachtungen mit seiner neuen Bekanntschaft.




3
„Für Pop ist es zu düster, und für Wave zu leicht“, erklärt er seine Musik.
„Kannst du so richtig spielen?“, will sie wissen.
„Ja, ich habe als Kind Klavierspielen gelernt. Mit dem Keyboard mache ich Flächen dazu, hänge lose kleine Melodien darüber, und Rhythmus macht das Ding auch. Ich kann die ganze Musik machen. Nur der Gesang fehlt mir. Singen wollen viele, und damit zum Popstar werden. Das ist nur leider nicht meine Musik – ich dachte eher an Heavenly Voices ...“
Sie ist begeistert. „Das höre ich auch gerne. Wir können ja mal zusammen proben. Ich war früher im Chor, und würde gerne wieder singen!“
Um die beiden herum haben sich neue Grüppchen und Gespräche gebildet. Es sind junge Leute, die beschließen sich öfter zu treffen, nachdem sie alle in der Nähe wohnen.

Alois freu sich über die Harmonie auf dem Sofa, teilt es seiner neuen Bekannten mit, fragt sie nach ihrem Namen. „Ludmilla“, stellt sie sich vor. „Ich heiße Ludmilla, und habe Durst.“ Er bestellt neues Bier, und freut sich, eine Freu kennengelernt zu haben, die den gleichen Zug drauf hat wie er.
Das Pärchen, das die ganze Zeit drinnen am Fenster verbracht hat, bezahlt und macht sich auf den Heimweg. Gedankenversunken summen beide vor sich hin, gehen an den Sofas vorbei, holen ihre Jacken aus der Garderobe und verlassen das Lokal.
Die gesummte Melodie bleibt bei den beiden Musikern hängen, die schon damit spielen. Im Zusammenspiel entwickeln sie die Tonfolge weiter, arbeiten erste Sequenzen aus, wollen am liebsten gleich spielen und singen.
„In der Garderobe steht ein altes Klavier“, weiß einer der Ortskundigen auf dem Sofa. Sofort nehmen sie es in Beschlag, er klimpert herum, sie summt sich warm. Zusammen erarbeiten und verfeinern sie die Melodie, er variiert ein wenig, sie singt dazu Vokale, einzelne Wörter.
Auf den Sofas wird es still, einer nach dem anderen schaut fasziniert zu den beiden hinüber, verlässt seinen Platz und gesellt sich zur Musik. Sie trauen sich lauter zu spielen und zu singen, verzaubern den ganzen Vorraum des Lokals mit ihrer Musik.
Ägidius sieht es sich ebenfalls an, geht auch gleich zum Tresen und stellt die Musikbeschallung ab. Insgeheim ist er froh die griechische Musik vom Band abstellen zu können. Außerhalb der Öffnungszeiten meidet er sie komplett. Vielleicht sind seine Gäste gar nicht so sehr an griechischem Flair interessiert? Nachdem er den Laden übernommen hatte, und viel an Kitsch entsorgte, kamen mehr Gäste, statt weniger.
Klaviermusik und Gesang der beiden breiten sich in den Gastraum hinein aus, bringen immer mehr Tischgespräche zum verstummen.




4
Ihr ätherischer Gesang bringt jeden, ohne Ausnahme, in Erstaunen. Immer wieder stehen Leute auf und nähern sich der Musik. Der Garderobenraum ist voll mit Zuhörern. Sogar von der Straße kommen Leute herein und sind fasziniert.
Alois und Ludmilla schauen gebannt zu den Musikern. Dazwischen sehen sie sich an, lächeln sich stumm zu.
„Ich glaube, so können wir‘s machen“, meint die Sängerin.
„Mit einem Dis im vierten Takt, statt dem D. Das gibt dem Thema mehr Tiefe.“
Das ganze Lokal applaudiert, immer wieder sprechen Gäste ihr Entzücken aus. Die Zwei hatten gar nicht gemerkt, dass sich Menschen um sie herum gruppieren.
„Wo kann man euch sehen?“, werden sie wiederholt gefragt. Sie haben sich erst kennengelernt, es gibt noch keine Band, keine Songs, gar nichts – nur die Idee.
    Nach und nach kehren die Gäste an ihre Plätze zurück. Keiner hat Augen für Alois und seine neue Bekannte am Tresen. Sie halten die Händchen, hatten begonnen sich von ihren Schicksalsschlägen zu erzählen, als die Musik sie sentimental machte. Gemeinsam wollen sie nun ihre Sucht überwinden, zumindest ihren Pegel senken, und zu einem neuen Leben finden – wenn es passt, auch gerne zusammen. Keiner der beiden hatte noch daran geglaubt, bis der heutige Abend sich anschickte, viele Dinge neu zu arrangieren. Durch die Kraft des Sturms, vielleicht auch nur dank der kühlen Luft die er brachte, fühlen sie sich wieder lebendig. Die Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft, mit einem Menschen der einen versteht, schenkt beiden Hoffnung und neuen Lebensmut. Sie tauschen Telefonnummern, wollen sich wieder sehen. Alois staunt über sich selbst und den Wandel des Schicksals. Er hatte sich nach schlechten und verletzenden Erfahrungen mit seiner ersten Frau in sich selbst zurückgezogen und dem Alkohol zugesprochen. Das Glück hatte ihn verlassen, aber natürlich nicht die Welt. In den verschiedenen Gaststätten, am liebsten in dieser Taverne, konnte er Paare und Pärchen beobachten, freute sich an ihrem Glück – er war ein Romantiker geblieben. In Ägidius glaubte er einen Schicksalsgenossen gefunden zu haben. Die Geschichte seiner Tätowierung hatte ihm gefallen. Er wagte nicht, sich nach seinem aktuellen Status zu erkundigen. Und dann hatte der Sturm heute alle Bedenken fortgeblasen. All das Glück, das er seinen Mitmenschen gewünscht hatte, scheint nun zu ihm zu kommen.

Für die meisten Gäste ist ebenfalls vieles anders. Musik hat die Anonymität zwischen den Menschen überwunden und einige von ihnen neue Bekanntschaften schließen lassen. 
Einer nach dem anderen werden die Gäste das Lokal verlassen, sich auf den Rückweg machen. Sie werden in ihr bisheriges Leben zurückfinden, wohin auch sonst. Was bleibt, ist die Idee, dass es auch anders sein könnte. 




Den ganzen Band gibt es hier: 
http://www.amazon.de/Cherry-Kiss-Story-Cocktail-1-ebook/dp/B00LRK3N6A/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1423918912&sr=1-1&keywords=cherry+kiss


Übrigens: 
habe ich mit meiner Frau in der Story einen kleinen CAMEO-Auftritt. ;-) 

Und: Teil 2 der Story-Cocktail-Reihe braucht "nur  noch" ein Cover, und ist für Frühjahr 2015 vorgesehen.