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Samstag, 13. Juni 2015

Endlich ein Groschenroman!


Endlich gibt es mal was Leichtverdauliches von ihm! Zumindest, wenn man es nur auf der Hauptebene liest ... Und das pünktlich zur Sommerpause. 

Der sympathische und allseits beliebte Koch-aus-dem-Take-Away (er hat noch immer keinen Namen) wird ermordet aufgefunden.
Während die schöne Aisha leidet und Erinnerungen kombiniert, Putzfrau Joy nur redet, und Claudette-von-der-Rezeption an Lösungen arbeitet, läuft Commissaire Ramboux über den Platz, um den Täter zu finden. Er ist davon überzeugt, dass er noch auf dem Campingplatz weilt. Wird er den Richtigen finden? Rechtzeitig bevor es weitere Opfer gibt? 

Das Cover erinnert nicht zufällig an "Château-Camping". Der "Groschenroman" spielt am gleichen Ort, mit dem gleichen Personal – der Autor sieht es als "Remix" des Stoffes.

Hier geht's zum "Bahnhofskiosk":


http://www.amazon.de/Ch%C3%A2teau-Killing-Stefanie-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00YL6FO4G/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1434209600&sr=1-1&keywords=chateau+killing

Viel Spaß beim Lesen und einen schönen Sommer! 

Samstag, 16. Mai 2015

Making Of: Wald und Wiesengeschichten

Wie kommt man auf solche Ideen?

Waren das Zeiten, früher! Ferien bei Oma, im Spessart. Ein kleines Häuschen aus den frühen 50ern, mit S/W-Fotos an der Wand, Uralt-Möbel , Bücher mit gotischen Lettern (z.B. Hauff‘s „Lichtenstein“ - Fantasy aus den 1820ern, mit Burgenromantik), einem Sticktuch mit rotem Hahn und den Worten „Guten Morgen“ an der Wand.
Ein riesiger Garten, mit Obstbäumen, Kräutern und Gemüse (Oma dachte praktisch);
darüber: immer wieder Tiefflieger der Bundesluftwaffe (Tornados und Phantoms).

Ausgedehnte Spaziergänge im großen Wald: Sandsteinfelsen und Burgruinen, Heidelbeeren und Pilze pflücken, Wildschweinspuren bestaunen, leere Konservendosen der US-Army finden (in olivgrün!).

Schwarztee trinken, hausgemachte Kuchen essen; Apfelsaft, den es gegen gelieferte Äpfel (aus dem Garten) billiger gab; Gedichte schreiben, gotische Lettern abmalen und verzieren, Stummfilme (Buster Keaton) im Ferienprogramm schauen. Oma kocht derweil Marmelade ein. 





Der Alte Fritz, in Arbeitsgewand, schiebt Brennholz auf seinem Wagen durch die Straßen des Ortes. Sein genaues Alter weiß keiner, manche sagen er wäre 100.

Der Blick aus dem Fenster zeigt entweder Obstbäume, oder Wald. 





Die Entstehung eines Büchleins wie „Wald- und Wiesengeschichten“ war also nur eine Frage der Zeit.

Esoterisch ausgedrückt: die Geschichten haben sich mich als Medium ausgesucht, in dem sie noch reifen mussten. Und das Cover auch.
Ist natürlich Käse, klingt aber gut. 




Zum schnuppern? Hier lang:
http://www.amazon.de/Wald--Wiesengeschichten-Robert-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00PDL4E8K/ref=sr_1_10?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1431493977&sr=1-10











Sonntag, 26. April 2015

Taschenrechnereien

Ein rohes Retro-Schmankerl aus dem Jahr 1994, behutsam überarbeitet, ansonsten unverändert. Damals hatte ich noch eher experimentell geschrieben, beeinflusst von den Expressionisten. 

Das Stück wurde damals sogar abgedruckt (in einer Art Verbands-Zeitung). Auflage (getackerte Kopien): ca. 150 Stück. Wahnsinn, oder? 








Taschenrechnereien   
(Wohnküchenmix)

Nur wenige Wolken zogen dahin, als ein glühendes, fast loderndes Morgenrot den neuen Tag ankündigte. Gleich würde sich die Sonne zeigen und zu einem neuen Tagesgeschehen erstrahlen.

Er saß schon in der Küche. Vor ihm auf dem Tisch finden sich Stift, Papier und sein alter Taschenrechner. Er schaltete das Radio an und schenkte sich ein Glas Mineralwasser ein. Flott tippte er Zahlen in seinen Rechner ein; wie zu alten Schulzeiten, als die Lehrer ihn zu mehr Aufmerksamkeit mahnten, während er träumend zusah, wie der warme Wind durch die Baumwipfel strich. 58 plus 64 geteilt durch 12. Zwölf Monate hat das Jahr, in denen viel Glück und Unglück passieren kann, ging es ihm durch den Kopf. Zwölf Apostel folgten einem Weltverbesserer mit Vollbart und Sandalen. Das hatte man ihm in seiner Schulzeit beigebracht. Zwölf Stunden zeigt seine Küchenuhr an.

Im Radio kommen die Nachrichten. Im aktuellen Krieg gibt es heute bereits 58 Tote. Der Sprecher berichtet von Politikern und deren wohlabgewägten Aussagen. Immer noch zweigen sich Minister Millionenbeträge ab, immer noch müssen Kinder auf der Welt verhungern.

Er trinkt einen Schluck Wasser aus seinem Glas. Es ist frisch wie der Morgentau, köstlich labend, wie Wasser eben so ist. Doch Wasser ist nicht gleich Wasser – und die Menschen gehen oft verschwenderisch damit um. Er ist froh, dass die Inhaltsbeschreibung der Flasche keine Giftstoffe ausweist. Die Gifte landen dafür in anderem Wasser. Dieses fließt durch begradigte Flüsse ins Meer. Dort bekommen es die Fische ab, die wir aus dem Meer auf unsere Teller holen. Der Fisch in seiner Tiefkühltruhe kann also keine Ausnahme bilden. Er geht diesen Gedanken nicht genauer nach, sondern tippt wiederum in seinen Rechner. 287 geteilt durch 11 und daraus die Wurzel; 7,65834 ins Quadrat; der Kosinus von 128.

Einige Stunden sind nun schon vergangen. Wiederum hört er die Nachrichten. Jetzt sind es 128 Tote im aktuellen Krieg. Politiker reden von Betroffenheit. Ein Flugzeug ist abgestürzt. Ein Stahlwerk wird stillgelegt. Hunderte verlieren ihre Arbeit. Es wird gestreikt, protestiert, geredet.

Die dritte Wurzel aus 268. Der Wetterbericht kündigt Regen an, während die Sonne in seine Küche glänzt. An diesem Tag wurden bereits 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen. 268 geteilt durch 17 und davon der Sinus. Er setzt sich einen Kaffee auf. Die Packung deklariert ihn als kolumbianische Hochlandmischung. Im kolumbianischen Hochland arbeiten also Menschen für wenig Lohn, damit er hier Kaffee trinken kann. Ein Fünftel mal ein Achtel. Der Tangens von 17 geteilt durch 12. Vielleicht ist die Gentechnik irgendwann so weit, dass Menschen Alles ohne Rechner rechnen können. Kaltes Grauen packt ihn. So kalt wie der Wind, der nun durch die sternenklare Nacht weht. 128 mal 58 geteilt durch 17 plus 4.

Der Vollmond prangt durch das Küchenfenster, während er über Innenpolitik nachdenkt und überlegt, ob er zur nächsten Wahl gehen soll. Ziemlich verdrossen tippt er eine fast unüberschaubare Bruchrechnung. Er tippt Klammern, Quadrate, Wurzeln, Brüche, er tippt und tippt. Nebenher trinkt er ein Glas Orangensaft. Dabei denkt er an Plantagen, in denen Orangen wachsen; an Frachtschiffe, die Orangen bringen; an schmutzige Kraftwerke, die Strom für Abfüllanlagen und Küchenlampen liefern. Er tippt weiter seine Quadrate, Wurzeln und Brüche; drückt letztendlich auf die Ergebnistaste. Der Rechner braucht etwas länger bei solch schweren Aufgaben.

Endlich spuckt der Rechner eine Zahl aus. Auf der Anzeige erscheint 666 als Ergebnis.

Er beendet seine Arbeit und isst ein Honigbrot.








...

 

Samstag, 11. April 2015

psst!



 Bitte scrollen Sie weiter - hier gibt es nichts zu sehen! 










Der Pinguin ist nur ein Eye-Catcher, und hat mit dem Produkthinweis nichts zu tun.
Der untenstehende Link könnte einen Skandal verursachen. 

http://www.amazon.de/Ich-Zicke-Ein-Tag-B%C3%BCro-ebook/dp/B00V04UWN0/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1428727724&sr=1-1




Bitte scrollen Sie weiter - hier gibt es nichts zu sehen!








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Dienstag, 10. März 2015

Leseprobe "Château-Camping"

Hier eine kleine Leseprobe aus "Château-Camping". Die Kapitel sind angenehm kurz, es steht aber viel drin. In lyrischer Sprachverdichtung wird das dunkle Familiengeheimnis angeschnitten.


Kapitel 10
Lauf, lauf, warmes Wasser, lauf an ihm herab. Lauf, lauf, warmes Wasser, wasche den Dreck von ihm ab, unterbrich nicht deinen Lauf! Schon drückt er auf den Knopf, damit das Wasser weiterfließt. Längst abgewaschen ist die Seife von seinem Körper. Obendrein weichte sie die harte Schale seiner Erinnerungen auf. Lauf, lauf, warmes Wasser – wasche all diese Gedanken von ihm ab.
Sie hatte ihm schöne Augen gemacht, er war ihr Chef gewesen. Der schmutzige Klassiker, während die Ehefrau zuhause nur Ahnungen hat, genährt von schlechten Ausreden, fremdem Geruch, ungewöhnlichen Geschäftsreisen. Ein paar kleine Unachtsamkeiten führten zu einem unschönen Ende. Zu einer Ehe, die in die Brüche ging. Nicht deswegen – er hatte es nie gestanden. Auf dieser Basis aber wogen andere Konflikte gleich viel schwerer, sie führten zu den offiziellen Gründen der Scheidung.
Er hatte sich selbst gehasst, und diesen Zorn an der Sekretärin ausgelassen. Den gemeinsamen Sohn hatte er verstoßen, wollte nichts von ihm wissen. Als dieser achtzehn Jahre später an seiner Tür gestanden hatte, waren ihm nur Wutausbrüche eingefallen – es war das ihm vertraute Verhaltensmuster. Lauf, lauf, warmes Wasser, wasche all diese Erinnerungen von seiner Seele. Lauf, lauf, warmes Wasser, spüle soviel du kannst!

Macht war ihm zuteil gewesen, Macht hatte er eingesetzt. Sich durchgesetzt, mit Widersachern auseinandergesetzt, sie auseinander genommen. Dass Macht mit Verantwortung einhergeht, blieb ihm fremd.
Hatte er jemals in seinem Leben Verantwortung übernommen?
Lauf, lauf, warmes Wasser, wasch ab soviel du kannst! 




6
Aisha bringt ein wenig exotisches Flair in den Supermarkt, in das riesige, neue Gebäude
am Rande des Ortes, an der Durchgangsstraße. Mit dem Auto ist er fünfzehn Minuten vom Château entfernt – und doch die nächste Einkaufsmöglichkeit.
Der Arbeitskittel verdeckt die schlanke Figur, aber ihr Gesicht und das wallende, rabenschwarze Haar verzaubern so manchen Mann. Es ist vor allem der ruhige Blick, aus warmen, braunen Augen, der ihr zusätzliche Schönheit verleiht.
Beim Make Up gehen die Meinungen auseinander. Der großflächige Einsatz von silbernen Tönen um die Augen ist nicht jedermanns Geschmack. Ihr Vater findet es unanständig, und verweigert ihr neuerdings den Kontakt. Für Mutter ist sie schön, und immer noch ihr Kind. 





13
Grünes Licht taucht Schnapsflaschen im Regal in aufregende Farbtöne. Der Tresen scheint in Blau, zieht die ersten Gäste magisch an, wie Insekten, auf der Suche nach einem köstlichen Schluck.
Claudette genießt die schummrige Atmosphäre, bewundert das Etikett auf der Flasche ihres Knut, dem Trendgetränk des Sommers. Sie mag Design und Kneipenluft, bewundert das gute Auge der Gestalter, kann sich aber nicht vorstellen selbst darin tätig zu werden. Es genügt ihr, sich in Gesellschaft zu fühlen, und von schönen Dingen umgeben zu sein.




K
Gierig hält die Schnecke auf das Wohnmobil einer britischen Rentnerin zu, die ihre Kühlbox im Freien sortiert. Doch leider ist die Schnecke zu langsam. Die alte Dame verräumt alles, nimmt sich eine Zeitschrift und geht ins Schlossrestaurant. 






Die volle Version: 
http://www.amazon.de/Ch%C3%A2teau-Camping-Stefanie-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00UDFQIMG/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1425964841&sr=8-1&keywords=chateau-camping



Sonntag, 8. März 2015

Making Of: "Chateau-Camping"

Auf einem Campingplatz tummeln sich ja die verschiedensten Leute. Manche arbeiten dort auch.
Wenn man genauer hinschaut, und das wollen wir tun, erkennt man Interaktionen unter den Protagonisten. Nach und nach wird das Bild klarer, dann ist der Aufenthalt auch schon vorbei.
Fünf Monate lang hatte ich daran gekritzelt, inkl. lektorieren und korrektieren von Ilse Bub von der Autorengruppe "Punktum", also eher lang.


Die Kapitel sind angenehm kurz, bringen immer neue Aspekte über die Protagonisten – und sollten sich in ihrer Form nicht wiederholen. Daran stockte die Arbeit des öfteren. Inspiration holte ich mir dann aus dem Buch „Mink River“, von Brian Doyle.

Auf die Idee brachte mich ein Aufenthalt auf dem Campingplatz Château d‘Eperviere, der auch das Cover ziert.
Als „Gast-Star“ konnte ich eine Weinbergschnecke gewinnen, die ihre Spur als „Marginale“ durch das Büchlein zieht.

"Schnitt" und "Kompositionm" der Kapitel habe ich ganz klassisch ausgetüftelt: mit der Schere den Text in seine Kapitel zerschnippeln, diese neu zusammensetzen, kritisch überdenken, neu arrangieren, neue Kapitel einschieben, im Skript ändern - und dieses Korekturlesen lassen.

Wenn sich das Büchlein locker leicht liest, zum Schmunzeln und Weiterdenken anregt und gute Unterhaltung bietet, dann - ja dann habe ich hart genug daran gearbeitet :-)

Zum Cover-Basteln habe ich einen Crashkurs über Grundlagen des Gestaltens und Anwendung von Grafikprogrammen belegt.
Nach ca. 10 Stunden analogem Schnippeln, Drucken und Verschieben stand der Prototyp-Entwurf. Beim Schliff hat mich das Grafikstudio meines Vertrauens unterstützt, vielen Dank St. Königshusen Grafikdesign!, was nochmals ca. 10 Stunden Arbeit war.

der Prototyp


Dafür kann ich jetzt einen 10 Jahre alten Klapprechner verwenden (ich sag nur: "nachhaltig erzeugte Literatur aus der Region") - und mit ihm bisherige Cover überarbeiten.

Jetzt muss der Spruch noch kommen:
Ja, es ist ein Buch mehr, das die Welt nicht braucht. Aber es ist schön zu lesen.


Es ist noch zu haben, und zwar hier:
http://www.amazon.de/Ch%C3%A2teau-Camping-Stefanie-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00UDFQIMG/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1425798407&sr=1-1&keywords=chateau+camping


Samstag, 7. März 2015

Kurzroman "Château-Camping"

Sennecy-le-Grand, Burgund, 2014: in einem alten Schloss, Mittelpunkt des dazugehörigen  Campingplatzes, findet ein Schiffskoch sein Zuhause, und eine neue Patchwork-Familie mit der jungen Kassiererin Aisha. Einer der Gäste droht sich eines Tages unheilvoll in das Geflecht einzufügen, und ein dunkles Familiengeheimnis zurückzubringen. Doch der Koch, dessen Namen wir nicht erfahren, ist festentschlossen, die Fehler seiner Familie nicht zu wiederholen.

Haben die Zwei etwas miteinander? Und wen interessiert das überhaupt? Es wird gerade viel genug gezeigt, damit sich die Handlung schließt, und ein entzückendes Bild entsteht. Kein Ballast wie viele Namen, Action oder lange Herleitungen soll das Werk überfrachten, damit die epische Sprache mehr Raum für Assoziationen bekommt.
    Das Abenteuer einer Weinbergschnecke, die in Burgund nicht fehlen darf, läuft  zusätzlich, als eine Art Marginalie, durch das Buch.

Alle Personen und Namen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.



Hier ist es erhältlich:
http://www.amazon.de/Ch%C3%A2teau-Camping-Stefanie-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00UDFQIMG/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1425798407&sr=1-1&keywords=chateau+camping


Samstag, 14. Februar 2015

Leseprobe aus "Cherry Kiss"

Leseprobe

„Gemütlichkeit in der Taverne, während draußen ein Sturm losbricht“

1
Das Licht der sinkenden Sonne taucht die Welt in rotgelbes Licht. Eine warme Sommerbrise raschelt durch die Blätter der Bäume, lässt Äste vor der großen Fensterfront hin und her tanzen. Schwalben fliegen emsig umher, die Sirene eines Rettungsfahrzeugs dringt aus der Ferne, durch die offenen Türen, ins Restaurant. Die meisten Gäste sitzen auf der Terrasse, genießen Gyros oder Souvlaki unter Sonnenschirmen.
    Alois sitzt drinnen und bekommt ein weiteres Bier serviert. Er sitzt oft an diesem Tisch, genießt die gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre aus gebeizten Holzmöbeln, bunten Kissen auf den Bänken, schwarzen Regalen mit Lichtern in den Fächern, die als Raumteiler dienen; und großen Leuchtern, die von der Decke hängen. Ihm gefällt die moderne Einrichtung, sie passt zu den großen Fensterfronten.
    Ägidius, der Kellner, kennt ihn schon lange, Alois verbringt mehrmals die Woche seine Abende hier, trinkt ein Bier nach dem anderen, gehört schon zum Inventar.
Alois kennt die Tätowierung auf dem Unterarm des Kellners, und seine Geschichte. Ägidius war in ein Mädchen verliebt gewesen, hatte sich ihren Namen tätowieren lassen. Nach der Trennung, die sehr schmerzhaft für ihn gewesen war, hatte sie sich in einen anderen jungen Mann verliebt, und diesen geheiratet. Es klang so, als seien Ägidius und er Erzrivalen gewesen. Ägidius hatte den Namen durchstreichen lassen, was zu einem hässlichen Fleck führte, den er für immer auf der Haut trägt. Vor vielen Jahren, zum Ladenschluss, trank er Wein mit Alois, erzählte ihm diese Geschichte.

Ägidius sieht nach den Gästen auf der Terrasse, Alois träumt vor sich hin.
Außer ihm sitzt nur ein Pärchen drinnen, am Ende des Raumes, an der Fensterfront. Sie reden nicht viel, scheinen sich auch ohne viele Worte zu verstehen. Immer wieder amüsieren sie sich leise, inspirieren sich gegenseitig, oder schauen aus dem Fenster. Sie sind schon lange zusammen, das ist für Alois offensichtlich. Am Anfang einer Beziehung legt man sich ins Zeug, will den Partner beeindrucken. Mit den Jahren entsteht tiefes Vertrauen, das nicht viele Worte braucht.

Die dunklen Wolken zeigen sich noch immer mit gelber Färbung, obwohl das Tageslicht weniger wird. Abermals hört man die Sirene eines Rettungsfahrzeugs näherkommen, passieren, in der Ferne verschwinden. Die Äste der Bäume wackeln heftiger. Außer ihm und dem Pärchen scheint es niemand zu bemerken. Ägidius ist mit Servieren beschäftigt, und die Gäste auf der Terrasse sehen nicht viel von der Wolkenfärbung, unter ihren Sonnenschirmen. Nach wie vor dringt lautes Gebrabbel und Lachen von draußen herein. Emsig tragen die Kellner Speisen und Getränke nach draußen, benutztes Geschirr zur Küche, erkundigen sich bei den Gästen, ob alles zur Zufriedenheit ist. Es dauert eine Weile, bis Alois sein nächstes Glas bekommt.
Das ist eine Serviette, die vor dem Fenster vorbeifliegt. Ägidius klappt die Sonnenschirme ein, die ersten Gäste glätten ihr vom Wind zersaustes Haar, ziehen ihre Jacken an, packen ihr Essen und gehen nach drinnen; andere wollen erst aufessen, oder genießen das letzte Licht des Tages.




2
Schon wieder fliegt eine Serviette herum, die Äste wackeln aufgeregt, eine dunkle Wolkendecke bedeckt den Himmel. Der Wind frischt auf, immer mehr Gäste verlassen die Terrasse. Als Regen einsetzt, ziehen auch die Hartgesottenen nach. Das Personal hilft beim Tragen, räumt ab, versorgt Gäste an neugefundenen Plätzen im Trockenen. Einige bezahlen, machen sich auf. Innerhalb kurzer Zeit bricht Starkregen los, viele überlegen es sich deshalb spontan anders, bleiben und bestellen ein Getränk. Man rückt zusammen, arrangiert und hilft sich, es wird gemütlich, Kerzenlicht bringt Behaglichkeit.
Nach und nach finden die Leute zu ihren Gesprächen zurück, füllen den Raum mit ihren Stimmen. Der Regen prasselt unaufhörlich und laut, spült immer wieder neue Gäste ins Lokal, auf der Suche nach einem trockenen Ort zum Aufwärmen. Vielen von ihnen genügt ein Barhocker am Tresen, ein Sessel dahinter oder ein Platz auf einem der beiden Sofas im Eingangsbereich. Zwangsläufig entstehen Gespräche; Menschen, die sich bis eben noch fremd waren, werden zu Bekannten.

Aus dem Regen kommt eine Frau ins Lokal, schüttelt ihren Schirm aus, bevor sie ihn einklappt, hängt ihre nasse Jacke in die Garderobe. Für Alois geht die Sonne auf. Zwar ist sie keine Schönheit, doch ihm gefällt sie. Ihr Alter, ihr Auftreten, all die Spuren alter Geschichten in ihrem Gesicht – diese Mischung spricht ihn an. Sie verlangsamt ihren Schritt, sieht sich um, hält auf den Tresen zu, setzt sich auf einen Barhocker und bestellt sich ein großes Bier. Im Vorbeigehen hatte sie Alois gemustert, aber den Tresen vorgezogen.
Unschlüssig spielt er mit einem Bierdeckel in seinen Fingern, weiß nicht recht was er tun soll. Er hat sie hier noch nie gesehen, obwohl er oft zu Gast ist. Der Sturm muss sie hereingeweht haben.
Er spürt einen Drang, dem er zuerst nachgehen muss. Mit wenigen Schlucken leert er sein Glas, folgt dem ausgeschilderten Weg zur Toilette. Als er die Sofas passiert, sieht er eine lustige Schar junger Leute, die sich angeregt unterhalten. Auch sie hat er nie zuvor gesehen. Ihm gefallen die gute Laune und die Geselligkeit. „Da muss erst ein Sturm kommen, damit es hier mal schön voll wird“, denkt er beim Händewaschen.
Frohen Mutes und mit heiterer Miene geht er in den Gastraum, hält auf den Tresen zu und nimmt neben der Fremden Platz. „Guten Abend. Darf ich ihnen ein Getränk spendieren?“
„Guten Abend.“ Sie wirkt gutgelaunt. „Ich nehme ein Mal das Gleiche.“
Er bestellt zwei große Bier, und schon sind sie ins Gespräch vertieft. „Warum sollen nur auf dem Sofa Menschen zusammenfinden?“, denkt er sich.
Denn auf einem der Sofas, das hat er im Vorbeigehen erfasst, bahnt sich die nächste Bekanntschaft an.
Sie ist blond, kurzhaarig, er brünett, mit langem Haar. Beide sind etwa Mitte zwanzig, und teilen ein gemeinsames Hobby. Immer wieder schielt Alois zu ihnen hinüber, teilt seine Beobachtungen mit seiner neuen Bekanntschaft.




3
„Für Pop ist es zu düster, und für Wave zu leicht“, erklärt er seine Musik.
„Kannst du so richtig spielen?“, will sie wissen.
„Ja, ich habe als Kind Klavierspielen gelernt. Mit dem Keyboard mache ich Flächen dazu, hänge lose kleine Melodien darüber, und Rhythmus macht das Ding auch. Ich kann die ganze Musik machen. Nur der Gesang fehlt mir. Singen wollen viele, und damit zum Popstar werden. Das ist nur leider nicht meine Musik – ich dachte eher an Heavenly Voices ...“
Sie ist begeistert. „Das höre ich auch gerne. Wir können ja mal zusammen proben. Ich war früher im Chor, und würde gerne wieder singen!“
Um die beiden herum haben sich neue Grüppchen und Gespräche gebildet. Es sind junge Leute, die beschließen sich öfter zu treffen, nachdem sie alle in der Nähe wohnen.

Alois freu sich über die Harmonie auf dem Sofa, teilt es seiner neuen Bekannten mit, fragt sie nach ihrem Namen. „Ludmilla“, stellt sie sich vor. „Ich heiße Ludmilla, und habe Durst.“ Er bestellt neues Bier, und freut sich, eine Freu kennengelernt zu haben, die den gleichen Zug drauf hat wie er.
Das Pärchen, das die ganze Zeit drinnen am Fenster verbracht hat, bezahlt und macht sich auf den Heimweg. Gedankenversunken summen beide vor sich hin, gehen an den Sofas vorbei, holen ihre Jacken aus der Garderobe und verlassen das Lokal.
Die gesummte Melodie bleibt bei den beiden Musikern hängen, die schon damit spielen. Im Zusammenspiel entwickeln sie die Tonfolge weiter, arbeiten erste Sequenzen aus, wollen am liebsten gleich spielen und singen.
„In der Garderobe steht ein altes Klavier“, weiß einer der Ortskundigen auf dem Sofa. Sofort nehmen sie es in Beschlag, er klimpert herum, sie summt sich warm. Zusammen erarbeiten und verfeinern sie die Melodie, er variiert ein wenig, sie singt dazu Vokale, einzelne Wörter.
Auf den Sofas wird es still, einer nach dem anderen schaut fasziniert zu den beiden hinüber, verlässt seinen Platz und gesellt sich zur Musik. Sie trauen sich lauter zu spielen und zu singen, verzaubern den ganzen Vorraum des Lokals mit ihrer Musik.
Ägidius sieht es sich ebenfalls an, geht auch gleich zum Tresen und stellt die Musikbeschallung ab. Insgeheim ist er froh die griechische Musik vom Band abstellen zu können. Außerhalb der Öffnungszeiten meidet er sie komplett. Vielleicht sind seine Gäste gar nicht so sehr an griechischem Flair interessiert? Nachdem er den Laden übernommen hatte, und viel an Kitsch entsorgte, kamen mehr Gäste, statt weniger.
Klaviermusik und Gesang der beiden breiten sich in den Gastraum hinein aus, bringen immer mehr Tischgespräche zum verstummen.




4
Ihr ätherischer Gesang bringt jeden, ohne Ausnahme, in Erstaunen. Immer wieder stehen Leute auf und nähern sich der Musik. Der Garderobenraum ist voll mit Zuhörern. Sogar von der Straße kommen Leute herein und sind fasziniert.
Alois und Ludmilla schauen gebannt zu den Musikern. Dazwischen sehen sie sich an, lächeln sich stumm zu.
„Ich glaube, so können wir‘s machen“, meint die Sängerin.
„Mit einem Dis im vierten Takt, statt dem D. Das gibt dem Thema mehr Tiefe.“
Das ganze Lokal applaudiert, immer wieder sprechen Gäste ihr Entzücken aus. Die Zwei hatten gar nicht gemerkt, dass sich Menschen um sie herum gruppieren.
„Wo kann man euch sehen?“, werden sie wiederholt gefragt. Sie haben sich erst kennengelernt, es gibt noch keine Band, keine Songs, gar nichts – nur die Idee.
    Nach und nach kehren die Gäste an ihre Plätze zurück. Keiner hat Augen für Alois und seine neue Bekannte am Tresen. Sie halten die Händchen, hatten begonnen sich von ihren Schicksalsschlägen zu erzählen, als die Musik sie sentimental machte. Gemeinsam wollen sie nun ihre Sucht überwinden, zumindest ihren Pegel senken, und zu einem neuen Leben finden – wenn es passt, auch gerne zusammen. Keiner der beiden hatte noch daran geglaubt, bis der heutige Abend sich anschickte, viele Dinge neu zu arrangieren. Durch die Kraft des Sturms, vielleicht auch nur dank der kühlen Luft die er brachte, fühlen sie sich wieder lebendig. Die Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft, mit einem Menschen der einen versteht, schenkt beiden Hoffnung und neuen Lebensmut. Sie tauschen Telefonnummern, wollen sich wieder sehen. Alois staunt über sich selbst und den Wandel des Schicksals. Er hatte sich nach schlechten und verletzenden Erfahrungen mit seiner ersten Frau in sich selbst zurückgezogen und dem Alkohol zugesprochen. Das Glück hatte ihn verlassen, aber natürlich nicht die Welt. In den verschiedenen Gaststätten, am liebsten in dieser Taverne, konnte er Paare und Pärchen beobachten, freute sich an ihrem Glück – er war ein Romantiker geblieben. In Ägidius glaubte er einen Schicksalsgenossen gefunden zu haben. Die Geschichte seiner Tätowierung hatte ihm gefallen. Er wagte nicht, sich nach seinem aktuellen Status zu erkundigen. Und dann hatte der Sturm heute alle Bedenken fortgeblasen. All das Glück, das er seinen Mitmenschen gewünscht hatte, scheint nun zu ihm zu kommen.

Für die meisten Gäste ist ebenfalls vieles anders. Musik hat die Anonymität zwischen den Menschen überwunden und einige von ihnen neue Bekanntschaften schließen lassen. 
Einer nach dem anderen werden die Gäste das Lokal verlassen, sich auf den Rückweg machen. Sie werden in ihr bisheriges Leben zurückfinden, wohin auch sonst. Was bleibt, ist die Idee, dass es auch anders sein könnte. 




Den ganzen Band gibt es hier: 
http://www.amazon.de/Cherry-Kiss-Story-Cocktail-1-ebook/dp/B00LRK3N6A/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1423918912&sr=1-1&keywords=cherry+kiss


Übrigens: 
habe ich mit meiner Frau in der Story einen kleinen CAMEO-Auftritt. ;-) 

Und: Teil 2 der Story-Cocktail-Reihe braucht "nur  noch" ein Cover, und ist für Frühjahr 2015 vorgesehen. 






Sonntag, 30. November 2014

Bonusmaterial und Teaser zu "Wildnis Nr. 50"


Herzlich willkommen in der Wildnis – nicht fern, und doch weit weg. 

Diese Zeilen schreibe ich im Spätherbst – bei Nebel und Kühle. Wer möchte jetzt im Wald herumlaufen und durchs Unterholz robben, um unentdeckt Jagdbeute zum Haus zu bringen, in dem es obendrein weder Strom noch warmes Leitungswasser gibt? 

Peter und "der Ich" sind freiwillig dort geblieben. Wie es dazu kam, erzählt der Roman "Wildnis Nr. 50". Zur Beruhigung: er spielt im Sommer. 

Es ist mein 2. Roman. Hier gibt es den Klappentext und das eBüchlein:
http://www.amazon.de/Wildnis-Nr-50-Robert-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00KMOO1H2/ref=sr_1_10?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1417362359&sr=1-10


Als Bonusmaterial dazu habe ich mir diese Episode aus dem Herbst ausgedacht. Sie trägt nichts zur Handlung bei – es ist ein freies Spiel mit dem Thema. 

Ihr seht schon: bei den Recherchen hatte ich den Ruf der Wildnis vernommen – und gerade noch rechtzeitig den Sprung zurück in die Zivilisation geschafft. 

Eingerahmt wird der Text von sommerlichen Fotos, als kleiner Ausgleich. 

Doch nun auf zu diesem verwegenen Abenteuer. Ich wünsche viel Vergnügen mit dem kleinen Bonustext! 














„Wilderer, männlich, im Wald“

Gut erhalten lagen die beiden Kitze vor uns. Kein Wunder, wir hatten sie erst gestern geschossen und im Gang hinter dem Wasserfall versteckt. Wanderer mussten gestern die Polizei über unsere Schüsse informiert haben, denn sie kreiste den ganzen Tag herum. Auch der Förster war unterwegs. Durch den Uralt-Trick „Flinten und Tiere verstecken, erst Tage später heimbringen“, konnten sie uns nichts anhaben. Das war gestern im Morgengrauen gewesen, der besten Zeit für die Jagd.
Auch jetzt war nicht helllichter Tag, es mochte so zwischen vier und fünf am Nachmittag sein. Wir wollten das Zwielicht nutzen, um unsere Beute unentdeckt heimzubringen.


Das Leben hier in den Bergen, mit möglichst wenig Rückgriff auf die Zivilisation, war wesentlich schwieriger als wir dachten. Hias schlug vor, ein bis zwei Rehe zu wildern, um durch den Herbst zu kommen. Es war Anfang November, kühles Regenwetter zog über die Berge, und nachts wurde es empfindlich kühl.
Spätherbst war Jagdzeit, und Hias schlug vor, dünne Jungtiere zu schießen, da sie schlechte Überlebenschancen im Winter hätten, und Jäger sie nicht vermissen würden. Und wenn wir das schlechte Wetter für den Transport nutzten, kamen uns auch kaum Wanderer in die Quere. Der Förster würde mit seinem Auto den Wald abfahren, hätte keine Lust auszusteigen. Ab durch die Mitte – das war sein Plan. Er war einfach gerissen!

Für zusätzlichen Nervenkitzel veranstalteten wir ein Wettrennen. Hias und Apollonia bildeten das eine Team, Peter und ich das andere. Wir nannten sie „Team Geister“ und „Team Jungs“. Die Verlierer mussten nach der Metzgerarbeit die Abfälle entsorgen, was laut Hias ein „ziemlicher Scheiß“ sei.
Wir wickelten jedes Kitz in ein Tuch, das es verbarg, und das Tragen erleichterte. „Team Geister“ bekam das Bockkitz, das der Hias erlegt hatte. „Des erkennst am Krickl“, murmelte er, und deutete auf das kleine Geweih, das eigentlich nur aus kleinen Stangen auf seinem Kopf bestand.
Jedes Tier wog ungefähr 15 kg. Die Gehzeit auf dem Weg betrug 15 bis 20 Minuten, durchs Gelände mindestens doppelt so lang. Der Sprühregen war allgegenwärtig, Polizei und Förster konnten uns plötzlich über den Weg laufen. Beste Voraussetzungen für ein „lustiges Geländespiel XXL“, wie Peter es nannte.

Jockel musste zuhause bleiben, er galt als parteiisch. Frank wollte mit ihm im Haus bleiben, das Feuer warm halten, und sich danach mit Jockel der Metzgerarbeit widmen. Er hielt uns für „Wahnsinnsknaben“, und hatte damit recht – wie immer.

Die Kitze waren eingewickelt. Hias warf seins über seine Schultern, wir probierten noch. Man konnte es unter dem Arm tragen, auf der Schulter, oder zu zweit. Nach kurzer Beratung trugen wir es zu zweit, nebeneinander her gehend. In schwierigem Gelände würde es einer allein nehmen.
„Auf drei!“ Apollonia zählte ruhig, dann ging es los!

„Team Geister“ marschierte los, auf dem Trampelpfad, geradewegs zum neuen Forstweg, und der Brücke über den Bach, wo der Legende nach ein Wilderer zu Tode gestürzt war.
„Die haben Nerven“, murmelte Peter. Auch ich wunderte mich, warum sie ausgerechnet dorthin steuerten.
Wir hatten uns für den bewährten Weg entschieden. Peter stürzte sich todesmutig den steilen Pfad hinab, in den Kessel. Vorsichtig ließ ich unser Reh hinab gleiten, er fing es unten auf, und ich stolperte hinterher. Der Sprühregen hatte den Weg in eine Rutschpiste verwandelt. Mit wenigen Schrammen rappelten wir uns auf, hatten mehr Glück als Verstand gehabt. Vor uns war das Becken, in das der Wasserfall hinein stürzte. Nach diesem Becken war der Bach normalerweise seicht, viele große Steine erleichterten die Überquerung. Doch die ungebändigte Kraft des Wassers hatte die Steine durcheinander gekullert, eine elegante Überquerung schien ausgeschlossen. Wir gafften in den Bach und überlegten.
„Also?“
„Also!“
Schuhe und Hosen trugen wir mit dem Reh, und los ging es! Das Wasser reichte uns bald zu den Knien, und es war kalt. In der Mitte des Bachs fluchte ich vor mich hin, da die Kälte mich durchdrang, und ich meine Zehen nicht mehr spürte. Die Strömung trug das ihre bei, mit jedem Schritt mussten wir gegen sie angehen. Da half nur Zähne zusammenbeissen, alles ignorieren und tapfer weiter voran stapfen. Zuhause gab es einen Schnaps und heißen Tee zur Belohnung – darauf freute ich mich. Was war das für eine Erlösung, als uns das Wasser nur noch zu den Knöcheln reichte! Notdürftig rubbelten wir uns trocken und zogen uns an. Es tat gut, die Kälte des Wassers nicht mehr direkt auf der Haut zu haben.
Beim Erklimmen des Hügels auf der anderen Seite wurde uns wieder warm. Ein Zehntel des Wegs war schon geschafft.
Bequem ging es dann auf einer Trasse weiter, dem alten Forstweg. Flink und beinahe lautlos tippelten wir dahin. Unsere Augen und Ohren hatten wir überall, nahmen jeden Vogel und jedes Eichhörnchen wahr. Die Bäume waren hoch, der Boden kahl, man konnte weit sehen – und gesehen werden.

Zeitgleich stoppten wir. Da hinten huschte etwas. Wie der Kopf eines Wanderers, der dann verschwand. Außerdem kam ein neues Geräusch hinzu, das Brummen eines Motors. Der Fall war klar. Wir sahen uns um, und einigten uns auf die Furche, in der ein kleiner Sturzbach hinab ins Gebüsch führte.

Die Füße immer schön quer stellen, ein bisschen im Zickzack laufen, um die Hangabtriebskraft besser abzufangen und nicht über die eigenen Füße zu stolpern! Auf Äste und Blätter achten, um nicht zu viele Geräusche zu machen, oder gar wegzurutschen. Wir hatten viel gelernt, seit wir hier oben lebten.
Fast lautlos tauchten wir ins Unterholz. Zwischen Faulbaum und Haselstauden verschwanden wir, nutzten das Große Hexenkraut zur Tarnung. Vier bis fünf Stauden von ihm, zwei kleine Äste, und das Kitz war versteckt. Wir beide legten uns flach auf den Boden. Unsere Flachs -und Loden-Klamotten trugen das Übrige zur Tarnung bei. Natürlich wurden sie feucht und schmutzig, aber dazu hatten wir sie. In der Hocke wären wir zu hoch, das Gesicht würde unter dem Hut hervorscheinen, jeder Jäger würde uns entdecken. Immerhin verbrachten Jäger und Förster schon mehr Jahre im Wald als wir. Auf die Idee, dass wir uns in den Dreck legen, kamen sie hoffentlich nicht. Wir hatten den besseren Lehrer, und waren einfach gerissener!
Den Förster durften wir nicht unterschätzen. Er lief bei Dauernieselregen im Wald herum, im Dämmerlicht, um uns zu suchen. Wusste er, dass wir das schlechte Wetter nutzen wollten? War er genau deswegen unterwegs? Und wie schätzte er uns ein? Kam er auf dem alten Forstweg vorbei, der jetzt etwa zwanzig Meter über uns lag? Wie viel Zeit gaben wir ihm dafür? Eine Stunde, zwei? Wir waren voll in die Falle gelaufen, und mussten einen Ausweg finden. Der Vorteil aus Wetter und Tageszeit wandelte sich zu einem Riesennachteil für uns.

Ich sog die kühle Luft ein, die angenehm nach Wald, Regen, Kühle, Nebel, feuchter Luft und Erde roch. Sie beruhigte mich. Der Wald bot genug von allem, man musste es nur nutzen. Auch Peter sah gutgelaunt drein.
Leichte Nebelwolken hingen in den Baumkronen, manche dehnten sich aus, und krochen in die Senken. Jeder Felsen und jeder Baumstamm bekam eine magische Aura. Ich fand es gemütlich, aber wir hatten da noch eine Aufgabe zu erledigen.
Peter traute sich zuerst ein paar Worte zu flüstern: „Ich tippe er kommt von da.“ Er zeigte auf die Senke mit dem Unterholz, in Richtung unseres Hauses.
„Glaub ich auch.“
Wer gerissen genug ist, uns jetzt zu suchen, ist auch schlau genug, das Unterholz zu durchkämmen.
Da ein Auto den Forstweg absuchte, machte es keinen Sinn für ihn, dort zu laufen. Im Klartext: den Weg durchs Unterholz heimzulaufen, war die Falle, in die wir tappen sollten.
Auf den alten Forstweg zurückzukehren, wäre der größte Fehler. Der Förster im Unterholz würde uns sehen. Blieb nur eine Lösung:
„Über den Neuen Forstweg!“, schlug ich vor.
„Unter ihm durch!“, konterte Peter.
Der Neue Forstweg lag tiefer, und jenseits gab es Gebüsch und jungen Wald, um unentdeckt heimzukommen. Wir mussten nur die Seite wechseln – das war der Schwachpunkt.

Das Gestrüpp zog sich bis zum neuen Forstweg, die Rinne für den Sturzbach lief daneben. Leise und vorsichtig krochen wir im Unterholz bergab, auf allen Vieren, oder geduckt, jede Deckung ausnutzend, das Kitz zogen wir hinterher. Gelegentlich brachten wir Pflanzen zum Wackeln, oder traten auf Stöckchen. Der Wind kompensierte das hoffentlich, nur leider wehte er unsere Geräusche in Richtung des Försters. Uns blieb keine Wahl. Wir arbeiteten uns vor zum Forstweg, der auf einer aufgeschütteten Trasse über unsere Köpfe hinweg führte. Fünf Meter seitlich führte ein großes Blechrohr unter ihm hindurch, damit Sturzbäche hier durchlaufen konnten.
Die Lage schien ruhig, ich packte mir das Reh unter den Arm, wir trabten los. Etwa fünf Meter ging es durch lichten Wald, der nur aus hohen Bäumen bestand, bis wir in das Rohr kamen. Dort plätscherte der Sturzbach dahin. Breitbeinig staksten wir hindurch, spreizten uns ein. An den Rändern der verschiedenen Wasserstände hatte sich grüner und glitschiger Belag gebildet. Er war nicht nur eklig, sondern vor allem gefährlich.
Es roch ziemlich muffig, aber dafür kam der Regen nicht rein. Ab und an rutschte ich ab, und meine feuchten Schuhe wurden nass. Wir mussten gebückt gehen, hatten den fauligen Belag also dauernd vor Augen und in der Nase. Auf dem Metall des Rohrs wucherte der Schlick, kein Waldboden sog ihn ein. Das war für mich der Tiefpunkt, meine Laune war am Kippen, ich freute mich nur noch auf ein warmes Bad in der Wanne  auch wenn ich dazu erst stundenlang den Herd schüren und Wasser kochen musste.
    Das Rohr war durchquert, und die „Schnitzeljagd“ ging weiter. Peter packte sich das Kitz auf die Schultern, zügig trabten wir den waldigen Hügel hinab, zum nächsten Unterholz. Bevor wir dort abtauchten, sahen wir uns um. Niemand war zu sehen.
Der Plan war klar: im Schutz des Dickichts marschieren, den Bach überqueren, und kurz vor unserem Haus Bach und Forstweg nochmals überqueren. Die Schwierigkeit war, dass Bach und Forstweg im Endspurt parallel liefen, man vom Weg einen guten Blick auf den Bach hatte. Das mussten wir riskieren.

Es fühlte sich gut an. Kühler Wind und Feuchtigkeit im Gesicht, von Nebel eingehüllter Bergwald, während Dämmerung das Land versteckte, der frische Geruch diverser Moose, Farne und Bäume – und ein gewildertes Rehkitz im Gepäck. Dazu ein Förster und die Polizei, die nach uns suchen. Das war ungetrübte Wildererromantik!

Mit kraftvoller Anmut rauschte klares Wasser den Bach hinunter, schlug schäumend gegen Felsen, lief keck daran vorbei, oder spritzte in die Höhe.
Moos überzog einen umgestürzten Baum, Pilze wuchsen darauf empor. Wir staksten durch die „Grüne Hölle“, und staunten über ihre Üppigkeit. Die meisten Pflanzen kannten wir mittlerweile: Wald-Ziest, Roter Hartriegel, Hohlzahn, Liguster. Der Geruch von Pilzen lag in der feuchten Luft. Blätter strichen uns über die Schienbeine, vermooste Felsen säumten unseren Weg, ich fühlte mich heimelig und stark.

Weit konnte es nicht mehr sein. Ein letzter Hügel stand uns im Weg. Der Aufstieg war steil und anstrengend, die Bäume standen eng, pieksten und kratzten uns gebührend, doch wir hatten das Ziel schon vor Augen. Zur Linken stand ein Fels, der senkrecht in den Bach abfiel. Und das Haus konnten wir schon sehen!
Wir machten uns an den Abstieg, als Peter mir mit einer Geste deutete, dass ich zurückbleiben solle, und sich leise auf den Hosenboden setzte. Ich tat es ihm gleich, lugte über den Hügel, sah das flache Stück voll mit Wedeln des Königsfarns, die seichte Furt durch den Bach, den Forstweg, der vor dem Haus vorbeiführte, und darauf ein Auto der Polizei. Oh nein!
Noch schienen sie uns nicht zu sehen, aber sie bewegten sich auch nicht. Wie kamen wir jetzt unentdeckt über den Weg? Überhaupt nicht. Fieberhaft überlegten wir. Es gab nur eine Möglichkeit, da waren wir uns einig. Doch wie setzten wir sie um?
„Ich sehe harmloser aus“, meinte Peter.
Ich gab ihm recht, und hatte meine Nase schon im Wind. Es kam mir vor, als könne ich die Beamten riechen, wie ein wildes Tier. Also schnappte ich mir das Kitz und schlich los. „Der Waldkauz“, gab ich das Erkennungszeichen aus.

Der Abstieg war genauso unangenehm, abermals pieksten und kratzten mich die dürren Äste der engstehenden Bäume. Keine Ahnung ob ich irgendwo blutete.
Den Bach zu überqueren, war so eine Sache. Ich schritt und hüpfte von einem großen Stein zum nächsten, doch ab der Mitte des Bachs war es vorbei. Das Gewicht des Kitzes hielt mich zurück, feuchte Steine ließen mich abgleiten, damit gab ich es auf. Mit der Gewissheit bald daheim zu sein, stieg ich ins Wasser und watete durch, das Kitz auf dem Kopf balancierend. Notdürftig wrang ich meine Hose aus, machte das Geräusch eines Waldkauzes und hielt mich startklar.

Es dauerte etwas, dann kam Peter über den Forstweg geschlendert, direkt vor dem Polizeiauto, er wendete, und wollte hinten am Wagen vorbei. Umgehend stiegen die Beamten aus, hielten ihn auf. Es war dieser kurze Moment, als sie ausstiegen und nach hinten gingen. Genau das war mein Moment! Mit vier großen Schritten war ich über den Weg gesaust! Ich duckte mich ins Gebüsch, sah sie in meine Richtung schauen, und dann wieder im Gespräch mit Peter.
Jetzt musste ich schnell sein! Die Bäume standen auch hier eng, dürre Äste standen überall im Weg, es war düster. Dafür hatte ich guten Sichtschutz, und kam so bis ans Haus. Ich beschloss rückwärts zu gehen, damit mir nicht andauernd das Gesicht zerkratzt wurde. Die Passage konnte nicht viel länger als drei Minuten dauern, war eintönig und anstrengend. Einmal fiel ich sogar hin. Irgendjemand hatte vor Jahren das Drahtgestell einer alten Matratze im Wald vergraben, aber nicht tief. Ich kannte die Stelle, sie stellte eine viereckige Erhöhung im Boden dar, bei dieser Sicht dachte ich nur nicht daran.

Die Stimmen wurden lauter und deutlicher, die Beamten begleiteten Peter bis zur Haustür. Ich wartete im Wald ab, bis sie vor der Tür standen, lud mir das Kitz auf die Schultern, das auf einmal ganz schön schwer war, und stakste langsam durch die Brennnesseln.
Durch das offene Fenster zum Toilettenraum hörte ich die eifrige Diskussion mit den Beamten. Peter und Frank verlangten immer wieder einen Durchsuchungsbefehl und wimmelten die Beamten ab. Es gäbe Zeugen, wir sollten den Wilddiebstahl zugeben. Danke, kein Interesse.

Ich wartete ab, bis die Polizisten wirklich verschwunden waren, dann stieg ich durch das offene Fenster ein. Stolz schritt ich in die Küche, präsentierte das Kitz. Jockel, Apollonia und der Hias bekamen sich kaum noch ein vor dreckigem Gelächter.
„Für an Stadterer nit schlecht“, meinte Apollonia diplomatisch.
Der Hias war direkter: „Drei moi so lang wia mir! Nit schlecht!“
„Es gab ... Schwierigkeiten ...“, erklärte ich. „Der Förster kam uns entgegen, Polizei war unterwegs ...“
„Isch klar.“
„Wie seid ihr denn gegangen? Kamen sie euch nicht über den Weg?“
„Mir san glei übern Bach“, erklärte der Hias. „Da geht ma oiwei in der Niederung, neba dem Bach her, im Unterhoiz. Der Förster patrouilliert aber oben, aufm oiden Forstweg. Er moant, von da oben siggt ma ois. So war des scho immer! Genau desweg‘n geh‘n mir oiwei da unten durch. Und es is‘ da direkte Weg.“
Abermals lachten alle, aber nicht mehr so laut.
„Wo ihr los seids“, fügte der Hias an, „is uns klar g‘wen, dass ihr da oben laufts, und dass die alle auf eich los genga. Also war für uns der Weg frei! So einfach is‘ des vor 100 Joar nia g‘wen!“







Sonntag, 9. November 2014

Leseprobe: Wald- und Wiesengeschichten

Leseprobe: Wald- und Wiesengeschichten


1


„Hops“ und „Happs“ denkt sich der Fuchs, als er auf das für ihn leckere Kaninchen zuspringt. Doch was passiert jetzt? Etwas Großes, Lautes und Leuchtendes kommt ratternd näher, ein Ungetüm – und es hält direkt auf ihn zu. Er wendet, lässt das Kaninchen sausen, und flüchtet sich zurück ins Unterholz. Das Wesen, oder Ding, kam erstaunlich schnell. Über das steinige, ebene Band, das sich durch den Wald zieht, hatte er sich oft genug gewundert, sich aber weiter keine Gedanken gemacht. „Hier kommt doch nie was!“, zweifelt er. Und dann kracht dieses Ungetüm auch noch in einen der Bäume.

„Um Himmels Willen“, schreit der Fahrer des 38er Aston. „Der Kotflügel hat einen Totalschaden! So einen bekomme ich nie wieder! Mein schönes Auto!“ Seine weiteren Flüche drehen sich um Wertminderung, und um Wildtiere im Allgemeinen. Einmal im Jahr, im Frühsommer, holt er den Wagen aus seiner Garage, um an der traditionellen Oldtimer-Rally teilzunehmen. „Hier kam noch nie ein Tier!“, schimpft er und tritt wütend in den Baum.

„Muss das sein, du Chaot!“, krächzen die Eichelhäher, als sie in panischer Angst auffliegen, und zusehen müssen, wie ihr halbes Nest herunterrieselt, der Baum knickt und gefährlich schief stehenbleibt. „Den können wir vergessen!“ „Wohin sollen wir nur?“ „Wir müssen brüten!“ „So viel Arbeit umsonst!“ „Hier können wir nicht bleiben!“ „Wo sollen wir hin?“ „Wir müssen los, wir müssen los!“ „Es ist schon so spät im Jahr!“ „Wir müssen brüten!“ „Auf gehts, auf gehts!“ „Ob wir den Verlust jemals aufholen?“ „Wir müssen los, wir müssen los!“


2
Aufgeregt flattert das Eichelhäherpaar auf, umrundet seinen alten Baum. Dieser beginnt, weder für unsere Augen, noch für Vogelaugen wahrnehmbar, seine Äste neu auszurichten, um mit seiner Schieflage weiterleben zu können.

Das gefiederte Paar flattert hektisch von Baum zu Baum, auf der Suche nach einem neuen Nistplatz. Nicht jeder Baum kommt dafür infrage – zu klein, zu dünn, zu nah am Wohnort gefährlicher Tiere, oder bereits von anderen Paaren bewohnt. „Hier ist kein Platz mehr!“, heißt es allerorten, „Hier ist kein Platz mehr für euch!“

Immer tiefer fliegen sie in den Wald, der voller ungeeigneter Bäume ist. „Einer muss doch für uns dabei sein!“ Nur leider entwickeln Nadelbäume im Wald keine ausladenden Äste; sie schießen nach oben, um dort an Sonnenlicht zu kommen. Das Unterholz fällt karg aus, bietet sich genau so wenig zum nisten an.
Nach einer Ewigkeit des Fliegens und Suchens, als sie dabei sind, die Hoffnung zu verlieren, entdecken sie eine Lichtung. Freudig erregt flattern sie im Kreis um sich selbst und frohlocken. Zwischen Fichten stehen Buchen und Kastanien, deren ausladende Äste über die Wiese hängen. „Hier finden wir einen Platz!“ Emsig begutachten sie jeden Baum an der Lichtung, sitzen Probe, piepsen eifrig.
Nachdem jeder Ast besichtigt ist, wählen sie einen Lieblingsplatz. Sie sind begeistert von ihrer Platzwahl, fangen sofort an Kleinholz vom Waldboden zu picken und ein neues Nest zu bauen. Für eine Nachbrut ist es noch nicht zu spät!
Nicht jeder Bewohner ist darüber erfreut, am wenigsten das Eichhörnchen. 



Fortsetzung hier: 
http://www.amazon.de/Wald--Wiesengeschichten-Robert-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00PDL4E8K/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1415555532&sr=1-1


Und Teil 2 des Büchleins spielt sich mit der Frage, wie die Tierreliefs aufs Schloss kamen, und was die Gechichten hinter der Geschichte sind. 




1
Die Wildsau


Endlich gings los zur Jagd! Im Jahr des Herrn 1601, einem außergewöhnlich kühlen Jahr, in einer ohnehin kühlen Zeit, das den Bewohnern von Schloss Döswald lange in Erinnerung bleiben sollte, ließ Ritter Eckbert von Döswald zur Jagd blasen.
Schon preschten all seine kühnen Recken, vier an der Zahl, auf ihren Pferden in den Wald, immer den Hunden folgend, die ihrerseits wiederum ihrer Fährte folgten. Es störte die kühnen Recken nicht, dass die Hunde mal kreuz, mal quer liefen. Die Spuren einer Wildschweinrotte waren kurz zu sehen, den Rest würden die Hunde schon finden. 



...


Donnerstag, 17. Juli 2014

eBüchlein "Cherry Kiss"

Klappe, gleich jetzt: 

Die Geschichte der Liebe ist älter noch als die Geschichte des Alkohols. Und doch versuchen wir uns unentwegt an neuen Mischungen. Was kann ein Autor von einem Barkeeper lernen? Eine ganze Menge!

„Cherry Kiss“ ist eine cremige Mischung aus 7 melodramatischen Geschichten und Kurzromanen, viele bislang unveröffentlicht, die um die Liebe kreisen. Doch nicht die Liebe steht im Mittelpunkt. Im Fokus stehen viel mehr die Umstände, unter denen sie entsteht oder scheitert; Hilfsmittel, die sie begünstigen sollen; Überraschungen, die sie unerwartet ermöglichen; oder Einsichten, die sie mit sich bringt.
Die Liebe selbst geht in dieser Mischung auf, wie Cointreau in einem Cherry Kiss.

Warnung: dieser Cocktail ist frei von Kitsch und Klischees, nicht jede Story endet glücklich. Wer klassische Plots und Happy Ends bevorzugt, lese besser Liebes-, Erotik- oder Arztromane. 



Unter der Reihe „Story Cocktail“ fasse ich längere und kürzere Geschichten, thematisch passend, zusammen. So entsteht ein abwechslungsreicher und preiswerter Sammelband.


Für Sparfüchse: 
Am Samstag den 19.07. gibt es das eBüchlein g-r-a-t-i-s (!)

Ab in den Laden: 
http://www.amazon.de/Cherry-Kiss-Story-Cocktail-1-ebook/dp/B00LRK3N6A/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1405615988&sr=1-1


Vielen Dank St. Köngishausen für das hübsche Cover! 
http://www.st-koenigshausen.de/

Vielen Dank Ilse Bub für Lektorat! 


P.S.: Am Sonntag den 20.07. gibt es "ein anderes eBook von mir" g-r-a-t-i-s (!)





Donnerstag, 29. Mai 2014

Neuer Roman: Wildnis Nr. 50

Grüner wird‘s nicht! 




So Freunde, endlich gibt‘s was Neues. Eine halbwegs heitere und spannende Story aus der Tiroler Bergwelt – ein neuer Roman!

Fertig war er schon vor einem Jahr. Ich hatte versucht, ihn über Agenturen an einen Verlag zu bringen. Das war eine interessante Erfahrung. Die häufigsten Antworten:
Gute Idee, gut gemachte Story, passt nur derzeit leider nicht ins Programm.
ODER: ja, nehmen wir, zu folgenden Konditionen ...

Ein hauptberuflicher Autor verkauft ja vor allem sich selbst, was auch mit hoher Reisefrequenz verbunden ist. Aber das ist leider nicht meine Welt. Ich muss arbeiten gehen – und feile nebenher an meinen Texten.
Ein Indie-Autor zu sein, bringt wenig Glamour und Geld, dafür ist man unbestechlich, unbeirrbar – eben unabhängig.

Independent heißt für mich:
Verlage bringen raus, was die Leute zur Zeit lesen. Dagegen ist nichts einzuwenden.
Da ich in meiner Freizeit schreibe, und mir das Spaß macht, kann und mag ich den Trends nicht nachlaufen. Ich schreibe lieber über Sachen die ich kenne, und bleibe authentisch. Das Ganze wird selbstredend probegelesen, lektoriert und korrektoriert – um ein angemessenes Qualitätsniveau einzuhalten.
Der Begriff „Independent“ ist bei mir positiv besetzt, früher hörte ich sehr viel Musik dieses Begriffs. Ungeachtet von Trends und Erfolgschancen macht man sein eigenes Ding – aber das auf einem gewissen Level.


Das Lektorat übernahm wieder Ilse Bub (es soll nichts ungeprüft raus!)

Zur Erstellung hatte ich fast kein neues Papier verwendet, es gab genug übrige Blöcke und Reste. Ihr unterstützt also auch nachhaltig erzeugte Literatur aus der Region :-) 
Das Buch kommt ebenfalls ohne Papier aus - es ist derzeit nur als eBook erhältlich. 

Mein Versprechen:
das komplette Honorar wird zu 100% in Kompensationsgüter fürs Erstellen der nächsten Werke verwendet. Na, ist das gelebte Nachhaltigkeit?

Das Cover ist ein Provisorium. Die Idee für ein besseres ist schon da, es fehlen nur noch geeignete Fotos.
Da ich nicht noch ein Jahr warten will, gibt es das Buch JETZT – und das Cover in einer Limited Edition. Ein Sommerbuch wie dieses sollte man nicht den Sommer über zurückhalten ...

Klappe, jetzt:
Vier junge Männer aus der Stadt feiern Junggesellenabschied, auf einer einsamen Hütte in den Tiroler Bergen. Die alte Geistergeschichte, die sich um das Haus rankt, nimmt immer mehr Gestalt an, bis einer von ihnen spurlos verschwindet. Können sie das Rätsel lösen und ihn finden? Die Spur führt sie tief in den Wald, in ein grünes Paradies. Sind sie bereit, ihr Abenteuer zu bestehen?

Ein kleines Buch über alte Werte, neue Perspektiven, das Zusammenleben von Geistern und Menschen, in einer Mischung aus Spannung, Belletristik und Humor.

Ja, es ist ein Buch mehr, das die Welt nicht braucht. Aber wer weiß, vielleicht findet man ein Stück von sich selbst darin?


Zum Einkaufswagen: 
http://www.amazon.de/Wildnis-Nr-50-Robert-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00KMOO1H2/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1401369630&sr=8-1&keywords=Wildnis+Nr.+50
 






LESEPROBE:

http://wortlaterne.blogspot.de/2014/05/leseprobe-wildnis-nr-50-roman.html

 




Rückmeldungen sind jederzeit willkommen. 
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


Leseprobe "Wildnis Nr. 50", Roman










1
Heiß war mir an diesem Morgen, unerträglich heiß. Ich öffnete den Reißverschluss meines Schlafsacks, streckte ein Bein ins Freie, legte den Arm über meine Augen. Die Sonne brannte voll auf den Balkon und mir ins Gesicht. War es wirklich schon wieder Zeit aufzustehen? Hatten wir nicht eben noch gefeiert? Eine uralte Cosmic-Endlos-Mix-CD gehört, mitgejohlt, Bier und Schnaps getrunken, geraucht, Sterne und Fledermäuse beobachtet, gealbert und gekichert, sind lachend vom Stuhl gekippt, durchs Haus gestolpert? Wir fühlten uns unsagbar frei und unbeschwert, der Alltag lag hinter den sieben Bergen. Ich hätte Bäume ausreißen können vor lauter Hochgefühl. Den drei anderen ging es ebenso, sie waren nicht zu bremsen gewesen. Mein Mund schmeckte nach Tod und Verwesung, das kam davon, und mein Kopf fühlte sich schwer an. Ich wälzte mich hin und her, um das Unbehagen zu zerstreuen, sah auf meine Uhr und brauchte eine Weile meine Gedanken hochzufahren. Sieben Uhr morgens, die Sonne brannte rein.
Ich sah hinüber zu Chris. Auch er hatte seinen Schlafsack geöffnet, den Arm über die Augen und murrte vor sich hin. Es wurde immer heller und heißer auf dem Balkon. Nicht auszuhalten! Schlaftrunken entstieg ich meinem Nachtlager, zog mich am Balkongeländer hoch, schwankte verschlafen durch den Gang des ersten Stocks, rannte mir sogleich den Kopf am Türstock an. Oh, wie das schmerzte! Ich hielt kurz inne, damit sich meine Augen an die Düsternis gewöhnen konnten.
Benommen wie ich noch war, musste ich mich auf die Treppe konzentrieren. Sie führte steil nach unten, die Stufen bestanden nur aus dünnen Brettern. Oft genug rutschte ich ein paar Stufen weiter und flog hin.
Ich öffnete die alte Küchentür und trat ein. Diesmal dachte ich daran den Kopf einzuziehen. Die Leute waren früher einfach viel kleiner!
Geruch von Qualm, Moder und Essensresten schlug mir entgegen. Mühsam öffnete ich die Klemmen der Fenster, oben und unten, drehte den Griff, öffnete beide Innenfenster, danach beide Außenfenster.
Meinen Brand löschte ich mit Leitungswasser, das hier frisch aus der Sammelgrube am Berg kam. Tat das gut!
Es war eine Wohltat in der Küche zu stehen, denn diese war noch einigermaßen kühl. Mittelpunkt war ein alter Herd, aus Gusseisen, mit Feuer betrieben, verstellbaren Luken und einem Rohr für den Rauchabzug, daneben der Holzvorrat. In einer alten Anrichte war das Geschirr des Hauses. Die Fläche des Tischs aus grauem Kunststoff war bereits von Messerspuren zerfurcht, vor dem Küchenfenster aus weißem Holz glänzten Spinnweben im Morgenlicht. Davor warteten alte Stämme zu Brennholz verarbeitet zu werden und Brennnesseln auf Kompost, der ihnen aus der Küche entgegen flog. Dahinter breitete sich ein spektakuläres Panorama aus leuchtenden Bergspitzen und dunklen Wäldern aus.

Auf den knarzenden Brettern über mir hörte ich Schritte im oberen Gang. Da fiel einer mehr die Treppe herunter als zu gehen. Chris vergaß, dass er größer war als die alten Bergbauern, und rannte seinen Kopf am Türstock an. Fluchend und lachend zugleich trudelte er herein. Auch er trank gierig Wasser.

Es war Bernds Junggesellenabschied. Wir wollten ein paar Tage auf eine Hütte, wie wir als Jugendliche öfters unsere Ferien verbracht hatten. Das waren mit die schönsten Erinnerungen. Doch mit Freundinnen wurden diese Ferien immer weniger. Die Mädchen wollten an den Strand, oder sonst wohin, nur mit ihrem Schatz. Bernds anstehende Hochzeit war die einzigartige Gelegenheit für eine letzte gemeinsame Freizeit. Und dieses Haus war für unsere jungen Frauen ohnehin unannehmbar: Weder Dusche noch Waschgelegenheit, außer dem kalten Gebirgsbach, kein warmes Wasser, kein Strom.
Da wir uns auf keine bisherige Lieblingshütte einigen konnten, suchte ich im Internet nach einem neuen Haus. Wobei dieses Haus in Tirol nur über ein paar Ecken zu finden und nur nach einem persönlichen Besuch zu buchen war. Ich verbuchte es als Meisterstück meiner Spürnase. Chris und ich buchten und zahlten den Aufenthalt vor Ort.
Er war mehr der zupackende Typ - Bier tragen, Holz hacken, coole Sprüche ablassen, das war seine Welt.
Ich musste alles notieren. Wer welchen Schlüssel hatte, was zu beachten war, wer früher einmal wen umbringen wollte in dieser Region - denn um ein solches Haus musste sich natürlich eine Legende ranken.
Glaubt man dieser Legende, lebte hier vor hundert Jahren ein Wilderer, den sie den „Bachhias“ nannten. Er schoss mit Vorliebe Hirschen und war gerissen genug, dem Förster stets zu entwischen. Immer wenn dieser Schüsse hörte und dem  Bachhias den Heimweg abschnitt, hatte dieser nichts bei sich, weder Hirsch, noch Gewehr. Beides hatte er immer in einer Höhle hinter einem Wasserfall versteckt, holte alles erst heim, wenn er unbeobachtet war.
Hilflos und schäumend vor Wut griff der Förster zur Hinterlist. Auf seinem Heimweg vom Wasserfall musste der Bachhias über eine Brücke – und eben diese sägte der Förster eines Tages an. So geschickt, dass sie den Hias alleine zwar noch trug, mit Hirsch auf den Schultern brach sie jedoch. Der Hias stürzte acht Meter in die Tiefe. Der Bach ist an dieser Stelle ziemlich seicht, ein nicht mehr lesbares Wegkreuz erinnert an einen dort Verunglückten. Natürlich will sich der Bachhias heute noch rächen und geistert umher.

Mit langsamen Bewegungen schichteten wir zerknülltes Zeitungspapier und dünne Holzstückchen in den Herd. Wir zerknüllten die Zeitung, welche Chris sich gestern gekauft hatte, nicht ohne sie vorher nochmals zu überfliegen. Ich hielt die Sportseite in der Hand. „Sport ist Mord“ meinte Chris, also konnte ich die Seite getrost einheizen. Er fragte mich nach meinem Sternzeichen, um mir mein Horoskop vorzulesen.

„... Jupiter verleiht ihnen zusätzliche Kraft um aufgeschobene Probleme endlich anzupacken. Eine neue Bekanntschaft könnte ihr Leben bereichern.“

„Wen soll ich hier schon kennenlernen?“ fragte ich verblüfft. „Außer ein paar Fledermäusen und Grashüpfern kommt hier nichts vorbei.“ Chris meinte, er hätte in der Nacht Bekanntschaft mit den Hausmäusen gemacht, welche seine Zigarettenschachtel anknabberten. Also hat das Horoskop recht. Ich zündete das Holz im Herd an, er sich eine Zigarette. Ich setzte Wasser auf, suchte Kaffee, Kanne und Filter zusammen. Er suchte Essbares in der Speisekammer.
Das Wasser brauchte ewig bis es heiß wurde. Ich legte Holz nach, wedelte mit einem Stück Pappe vor der Luke herum, aber das brachte nicht viel.

Wir traten ins Freie, um auf den Balkon hoch zu schauen. Die anderen zogen sich gerade an oder suchten ihre Sachen zusammen.
Neben der Eingangstür war das Schild mit der Hausnummer angebracht. Der Name der Gemeinde stand klein darauf, darunter groß die Nummer des Hauses: 50. Kein Straßenname oder Zusatz. „Wildnis, Haus 50“, dachte ich bei mir.

Im Gebüsch raschelte es. Eine Mountain-Bikerin bahnte sich Weg über den engen, halsbrecherischen Wanderweg, welcher durch Dickicht auf unser Haus zuführte und nicht mehr genutzt wurde. Teilweise lagen morsche Bretter auf dem Weg, damit man bei Regen nicht wegrutschte. Sie musste ihr Fahrrad schieben, da zudem große Steine im Weg lagen. Dort oben musste ein alter Forstweg existieren, der vor etwa 20 Jahren bei heftigem Regen weggespült wurde. Wir wunderten uns, dass sie nicht den neuen Forstweg genommen hatte, der direkt an unserem Haus vorbei führte und den alle normalen Mountain-Biker nahmen.
Eine hübsche, schwarzhaarige junge Frau stand vor uns. Sie strahlte übers ganze Gesicht, als sie uns mit leuchtenden Augen nach dem Weg zum Sonnwendjoch fragte. Chris musterte sie grinsend und zog an seiner Zigarette. „Warum willst du überhaupt weiter?“
„Bist du die Bekanntschaft aus meinem Horoskop?“, wollte ich wissen. 
Sie meinte, sie wäre das falsche Sternzeichen und hätte sich nur verfahren.
„Den großen Forstweg in diese Richtung“ meinte Chris, um die Situation zu retten. „Dann kommt irgendwann eine Gabelung, da musst du dich rechts halten. Eigentlich kann man sich hier auch gar nicht verfahren.“ Dankend fuhr sie los.

Während das Wasser nur sehr langsam warm wurde, blätterte ich in den alten Zeitungen vor dem Herd. Der alte Artikel von 1994 verriet mir, was am zweiten Juli passierte.
Wie jeden anderen Tag auch wurden allein an diesem Tag 55.000 Hektar Tropenwald vernichtet, starben 100 bis 200 Tier- und Pflanzenarten aus, nahm das verfügbare Ackerland um 20.000 Hektar ab, wurden 220.000 Tonnen Fisch gefangen, belasteten 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid die Atmosphäre. Die Natur bräuchte 14 Monate, um zu ersetzen, was wir in 12 Monaten verbrauchen.
Mir verging noch mehr die Lust, jemals wieder in neinen Alltag zurückzukehren und diesen Lauf der Dinge zu unterstützen. Doch hier schien das alles ganz weit weg zu sein. Die Morgensonne und das atemberaubende Panorama lockten mich ans Fenster.
Endlich kochte das Wasser, ich konnte mit einer riesigen Schöpfkelle das Wasser in den Filter kippen. Es roch schon nach Kaffee.

Wir saßen mittlerweile vollzählig im Freien am Frühstückstisch. Frank fragte sich, ob er Milch oder Rum in seinen Kaffee tun sollte. Er war eher der Mann fürs Grobe.
Bernd schmierte sich ein Brot und wollte wissen, wer oder was heute Früh schon vorbeikam. Chris meint trocken: „Die Frau des Jahrhunderts kam heute schon vorbei. Sie wollte wissen, ob ich noch zu haben bin.“
Frank hustete seinen letzten Schluck wieder aus und wurde schlagartig wach: „Warum habt ihr sie nicht gleich zum Frühstück eingeladen?“
Chris zog die Schultern hoch: „Zu welchem Frühstück denn?“
Ungläubig schaute Frank zu mir. Ich meinte nur „Sie liest das falsche Horoskop“, und widmete mich wieder meinem Frühstück.
Ein uralter Benz fuhr auf dem Forstweg bergab. Auf der Höhe vor unserer Hütte blieb er stehen. Wir kauten langsamer, um diese Szene gespannt und aufmerksam verfolgen zu können. Leider hörten wir nichts außer dem Motor des Benz und dem Rauschen des Bachs, konnten auch kein Gesicht erkennen. Der Fahrer stieg aus, öffnete die Hintertür, zog eine Flinte heraus, verstaute sie am Beifahrersitz, stieg wieder ein und brauste davon. Was blieb, war eine Staubfahne, sowie unsere ratlosen Gesichter.

„Was war denn das?“, fragte Bernd sichtlich verwundert.
Chris meinte: „Nach Ausflug sah das nicht gerade aus.“
Frank hatte sich für die Milch entschieden und plapperte in die ratlose Stille hinein: „Das war unser Freund Matthias Bach. Er hat das Leben in der Wildnis satt, jetzt fährt er ins Dorf, um sein Erspartes durchzubringen. Oder um Karriere zu machen.“
Bernd wunderte sich: „Ich dachte, der Bachhias kommt nur in der Nacht, um arglose Städter zu erschrecken.“
Chris erklärte es ihm ganz nüchtern: „Die Legenden sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.“
Frank munkelte: „Oder das war der Förster, auf seinem Weg, den Hias zu richten. Und wir sind die Nächsten, weil wir schon zu viel wissen.“




2
Frank und ich trugen Essen und Geschirr nach drinnen. Er hatte Wasser für den Abwasch aufgesetzt, fing gelangweilt an zu spülen.
Chris und Bernd diskutierten angeregt in der Stube. Sie konnten sich nicht einigen, kamen zu uns in die Küche gestolpert.
„Das Geweih in der Stube: Hing es gestern an der Wand, oder nicht?“
„Welches Geweih?“, wunderte ich mich.
Wir hasteten in die Stube um es uns anzusehen.
„Da ist ja echt eins“, staunte ich, als ich einen kleinen Schädel mit einem mickrigen Geweih sah. Sie hingen öfter in Restaurants oder Wohnzimmern, nichts Besonderes. Dieses hier lehnte auf der Sitzbank.
„Das hing!“, war Frank sich sicher.
Wir schauten ratlos drein. „Was machen wir jetzt?“
„Wir hängen‘s auf“, schlug Frank vor. „Dann wissen wir, dass es hängt.“
„Und wir schlagen den Nagel selber ein!“ Chris öffnete das Vorhängeschloss zur Werkstatt gegenüber und suchte sein Zeug zusammen.
Wir folgten, denn diesen Raum hatten wir nur flüchtig angeschaut. Er roch nach Arbeiten wie Holz hacken. Rostige Nägel waren in der Schublade einer alten Anrichte. Auf ihr lagen zwei vergilbte Zettel. Der eine mit der Zeichnung eines Wasserfalls, der andere mit einem Lageplan. Verwundert brabbelten wir durcheinander, bis klar wurde, was zu tun war.
„Eine Schatzkarte?“
„Wir schauen da hin!“
„Die alten Plan mitnehmen?“
„Nein, wir zeichnen sie ab. Sie bröselt schon fast.“
„Vielleicht ist was mit Geheimtinte darauf geschrieben?“
„Du meinst, wir halten sie über eine Flamme, damit sie uns wegbrennen?“
„So machen das die Helden in ihren Filmen.“
„Nein, wir fackeln sie nicht ab. Zuerst schauen wir uns den Ort an.“
„Genau!“
„Sven ist der Talentierteste für solche Sachen“, meinte Chris an mich gerichtet. 
Ich zeichnete die Pläne in meinen Block und machte zwei Kopien, zum mitnehmen. Chris knipste sie mit seinem Handy. Über das Alter der Dokumente wurden wir uns nicht einig. Weißes Briefpapier, mit Tusche bekritzelt und am vergilben - es konnte 50 oder 150 Jahre alt sein.
Frank dachte als einziger an die Arbeit, schlug einen der rostigen Nägel in der Stube an die Holzwand, und hing das Geweih auf.
Dann schwärmten wir aus um zu packen. Diesmal war es Bernds Kopf, der an einen Türstock schlug. Was brauchten wir? Seilzeug zum Bergsteigen? Lassen wir da, wir schauen nur mal. Badehose? Ja! Machete? Nicht vorhanden. Axt? Zu schwer.
Frank und Chris schlossen alle Fenster und Türen. Auf den restlichen Abwasch hatte keiner mehr Lust.
Die Stimme gehörte zu Frank: „Aua, blöde Balken!“
Ich kam mir „overdressed“ vor mit meinem Rucksack, mit Wanderkarte, Kopien der Schatzkarte, Ersatzwäsche und Getränk. Chris hatte seine Badesachen in einer Plastiktüte, Frank nur ein Handtuch auf der Schulter.

Fasziniert starrte Bernd von schräg links und dann von schräg rechts auf den Boden. „Das müsst ihr euch ansehen!“ rief er uns zu. Wir eilten herbei, konnten jedoch nichts erkennen. Langsam deutete er mit dem Finger darauf, noch immer erkannten wir nichts. „Ein ganz kleines Tier krabbelt da, mit einem Greifarm, wie ein Krebs etwa. Er ist nicht länger als zwei bis drei Millimeter“ erklärte er uns die Sensation. Jetzt sah ich den Krebs auch. Ganz zart und fein war er, krabbelte, blieb stehen und fuchtelte mit seinem Greifarm herum, als wollte er nach uns schnappen. Nach etwa drei Minuten schwand unser Interesse an ihm und wir brachen auf.
Wir stoppten, als eine riesige Mücke an uns vorbeischwirrte. Ihr Körper war circa zwei Zentimeter lang, nach hinten zog sie Beine mit drei Zentimetern Länge nach, welche schlaff in der Luft hingen. Mit einem tiefen Brummen sauste sie vorüber, stumm und verwundert schauen wir ihr nach.
„Das volle Refugium hier.“
„Für alle möglichen bedrohten Arten.“
„Ist jemand von euch auch vom Aussterben bedroht?“
„Ja, ich!“, meldete sich Chris. „Ich arbeite mit meinen Händen. Das ist heutzutage selten.“

Die Luft flirrte als wir behäbig den Weg bergauf antraten. Umgehend rann mir Schweiß von der Stirn. Nach ein paar Minuten waren wir vor einer Schutzhütte angelangt. Vor ihr stand ein Brunnen - ein ausgeschnitzter Baumstamm, in den ständig frisches Wasser aus einem hölzernen Hals fiel und nach hinten durch eine Kerbe herauslief und den Hügel hinab plätscherte. Von Zeit zu Zeit setzte der Strahl aus, um kurz darauf mit einem Schwall wieder einzusetzen.
Das Innere der Schutzhütte war ein kleiner Raum, mit vier schmalen Liegeplätzen, ein paar Tütchen Astronautennahrung, Verbandszeug, Rettungsdecken und Infomaterial. Seltsamerweise stand an der Wand eine alte Standuhr, die eines Tages um halb vier stehen geblieben war. Frank öffnete den Kasten und pfiff durch die Zähne. Eine alte Flinte lehnte darin. Auf den dunklen Holzschaft war ein Blech eingelassen, mit dem Bild eines stolzen Hirschen.
„Von so einer Büchse hat der Vermieter erzählt“, murmelte ich.
„Der hat viel erzählt ...“
„Und hier reinzustolpern ist nicht schwer. Noch sind wir auf dem Forstweg.“
„Vielleicht ist es seine eigene. Und mit der Geister-Story will er, dass wir die Finger davon lassen?“
„Von der Büchse lasse ich wirklich die Finger“, erwiderte Chris. „Vielleicht ist sie geladen. Und der Schuss löst sich versehentlich, und geht mir ins Gesicht, weil der Lauf schon so verrostet ist. Das gibt nur Ärger!“
Unschlüssig traten wir ins Freie, die Sonne schmerzte in den Augen.
Weiter ging es bergauf, vorbei an einer wilden Wiese. Zwischen hohem Gras wuchsen wilde Blumen aller Farben, Bienen sammelten fleißig Nektar, Schmetterlinge flatterten lautlos darüber hinweg. Gerüche der verschiedenen Blumen stiegen uns in die Nase und die Sonne brannte gnadenlos auf uns herab. Frank rückte seine Sonnenbrille zurecht, ich zog meine Kappe tiefer ins Gesicht. Schweigend stapften wir voran, während uns der Schweiß von der Stirn lief. Der Weg führte nun durch Wald, der uns Schatten spendete. Rechts und links des Weges erstreckten sich Bäume soweit man sehen konnte. Sie bildeten ein Dach aus Nadeln und Blättern, das nur wenige Sonnenstrahlen durchließ. Richtig finster kam es mir vor. Am Boden wuchsen Sträucher und junge Laubbäume, die froh waren ein paar Sonnenstrahlen zu erheischen. Manchmal wuchsen Heidelbeersträucher am Waldboden, teilweise auch Moos, größtenteils bestand der Boden aus Reisig und alten Ästen. Das Rauschen des Baches begleitete uns allgegenwärtig.

Ein weiteres Stück bergauf und eine Biegung um einen moosbewachsenen Felsen, standen wir vor der Brücke. D-e-r Brücke über d-e-n Bach.
Auf einer Länge von etwa sechs Metern überspannte sie einen Abgrund. Die Brücke war eine solide Stahlkonstruktion, deren breiter Bretterboden selbst Autos trug. Zu beiden Seiten war sie mit einem stabilen Geländer gesichert. Über dieses Geländer gebeugt sah man die Felswände senkrecht in eine Tiefe von acht Metern abfallen. Der Bach unten war breit und nicht sonderlich tief, viele große und spitze Steine ragten dort hervor. Vor hundert Jahren führte hier bereits eine Brücke über den Bach, von welcher der Sage nach der Bachhias zu Tode stürzte.
Nach ein paar Minuten trennten wir uns von dem schaurig schönen Anblick des Baches. Ehrfurchtsvoll schritten wir zum gegenüberliegenden Ufer. Dort stand ein altes Wegkreuz, welches an einen hier Verunglückten erinnerte. Eine hohe, schmale Steintafel trug ein verschnörkeltes, gusseisernes Kreuz. Auf der Steintafel erkannte man noch das Symbol eines Dreiecks, welches goldene Strahlen aussendet und den dreifaltigen Gott darstellen sollte. Die Inschrift war stark verwittert und nur bruchstückhaft zu entziffern. Ich las die wenigen erkennbaren Worte „In Gedenken an ... der hier am 25. März 18.. ... stürzte.“ Kein Zweifel also, dass sich der Bach an diesem Ort bereits ein Opfer geholt hatte.
An diesem Wegkreuz bogen wir ab, auf einen schmalen Trampelpfad, der erst auf den zweiten Blick erkennbar wurde und immer scharf am Bach entlang führte. Anfangs ging es noch über frisches Gras, an vermoosten Felsen vorbei. Zur rechten ging es fast senkrecht bis zum Bach hinunter. Doch die alte Karte schickte uns eindeutig diesen Trampelpfad am Abgrund entlang.
    Wir wandelten mittlerweile durch einen Birkenwald. Rundum standen weiße, schlanke Baumstämme; helle Blätter bildeten ein ausladendes Dach. Auf dem Boden wuchs kurzes Gras und dickes Moos. Der Ruf eines Kuckucks und das Rauschen des Baches begleiteten uns.
Auf einmal war der Pfad unterbrochen, ein Sturzbach hatte ihn auf einer Breite von zwei Metern weggeschwemmt. Ich hielt kurz inne bevor ich in das steile, trockene Bachbett sprang. Sofort lief ich zwei Schritte, um an seinem anderen Ende hochzuspringen. Fast einen Meter lag die Kante über der Furche, bestand aus Lehm und Waldboden – ich musste also gleich weiter, um nicht abzurutschen. Und das bei diesen Außentemperaturen! „Jetzt werde ich aber alt“, dachte ich bei mir, als mir der Schweiß zu laufen begann, „früher war das ein Klacks.“ Es beruhigte mich zu sehen, wie den Drei ebenfalls Schweiß im Gesicht stand.
Weiter ging es durch den Wald. Kleine Laubbäume hingen ihre Äste über den Weg. Ein umgestürzter Baumstamm war über und über mit Pilzen bewachsen. Lang und schmal zogen sie sich im Halbrund längs des Baumstamms hin. Mit ihrer hellgelben bis hellbraunen Farbe konnte man sie für Eiter oder Blasen des Baumes halten. So diente
ein abgestorbener Baum als Grundlage neuen Lebens.
Auf dem Waldboden wuchsen Moos und Farne. Schmale, gezackte Farnblätter reichten uns bis an die Knie. Ein umgestürzter Baumstamm lag quer über unseren Weg. Der Stamm war völlig vermoost. Drei seiner Äste hatten beschlossen, als eigenständige Bäume weiter zu leben und den alten Stamm als Wurzel zu nutzen. Stolz ragten sie zwei Meter in die Höhe, verästelten sich und trugen ein eigenes Blätterdach. So diente auch dieser alte Stamm als Grundlage neuen Lebens.

Wir waren fast an unserem Ziel angelangt. Durch das Blätterdach sah ich schon den Wasserfall. Ja, hier ließ es sich vorzüglich baden! Doch zuerst mussten wir hinabklettern, da unser Pfad drei Meter höher lag. Auf Kies führte der Zugang ziemlich steil hinab. Den einzigen Halt fand man an zwei Bäumen, an deren Ästen man sich festhalten und langsam hinab hangeln konnte. Noch einmal wurden meine Konzentration und meine Kraft gefordert. Wir waren angekommen, stapften über den groben Kies am Bachufer und setzten uns auf die großen Steine. Überwältigt bewunderten wir den Wasserfall und dieses phantastische Stückchen Erde. Vor uns lag ein Wasserbecken von etwa fünf Metern Durchmesser und drei Metern Tiefe, gespeist von einem hohen Wasserfall; gehalten von einer Schwelle, über welche der Bach nur dünn weiterfloss; umringt von bewaldeten Hängen und einer schotterigen Landzunge, auf welcher wir uns ausbreiteten. Ein paar kleine Felsen und ein umgestürzter Baum boten sich als Sitz– und Liegeplätze an. Die Sonnenstrahlen verfingen sich im Wasserfall, welcher glitzernd hinabfiel.
Das Wasser lockte uns. Es tat unheimlich gut sich zu erfrischen und den Schweiß abzuwaschen. Hier unten war es endlich einigermaßen kühl. Nach dem Auftauchen sah ich mich um. Vor mir ragten große Felsblöcke auf, in deren Mitte der Wasserfall herabstürzt. Hinter diesem Wasserfall tat sich, der Sage nach, eine Nische oder kleine Höhle auf. Dort versteckte der Bachhias seine Flinte und seine Beute.
Das weckte natürlich unsere Neugier. Einer nach dem anderen versuchte unter dem Wasserfall durchzuschwimmen, doch es ging nicht. Gegen den Strahl gab es kein Ankommen. Auch nicht, wenn drei von hinten anschoben.
Wie kam der Hias dahinter? Wir sahen uns genau um. Links am Fels führte so etwas wie ein Vorsprung entlang, endete jedoch zwei Meter vor dem Wasserfall. Auf der gegenüberliegenden Seite fiel der Fels glatt ab. Also ging es nur von links, wo auch der Trampelpfad herkam. Und „heim“ mussten wir über die Brücke. Das Bild passte.
„Räuberleiter?“ Chris schwamm an den Fels heran, versuchte sich irgendwie festzuhalten. „Zwei Mann zu mir! Bernd ist der Leichteste, er geht auf unseren Händen!“
Langsam tastete sich Bernd am Vorsprung entlang, oft genug nur mit dem großen Zeh auf dem Vorsprung, versuchte er sich wie ein Freeclimber am Fels zu halten. Wir hatten genug zu tun gegen die Strömung anzuschwimmen, uns irgendwo festzuhalten und eine Hand hochzubringen. Sein Fuß drückte mich unter Wasser, ich hielt ihn dennoch oben. Als sein Gewicht wich, tauchte ich auf, hörte ihn ins Wasser platschen.
Zweiter Versuch. Wieder das Gleiche. Dritter Versuch. Ich blieb oben, sah ihn auf den Strahl zu pendeln, dort abprallen und wiederum baden gehen.
Frank versuchte sich darin, unten durchzutauchen. Ungelenk zappelte er im Wasser herum. Mit dem Kopf voran wollte er nicht los, da wir die Beschaffenheit des Felsens nicht erkennen konnten. Wie eine Krabbe ruderte er unter dem Fall durch, stieß einen erstaunten Grunzlaut aus und wurde runtergespült, der Schwall drückte seinen Kopf nach hinten ins Wasser. „Da ist `ne Höhle!“, keuchte er. Ohne Ausrüstung hatten wir keine Chance.
Wir gaben auf, legten uns auf große Steine oder auf den Baumstamm. In der warmen Luft trockneten wir schnell. Sonne kam hier nicht herein, wir waren in einer Senke, von Hügeln und hohen Bäumen umringt.
„Ich habe mein Seilzeug im Haus“, meinte Bernd, ratlos wie es sich einsetzen ließ.
Langsam stand Frank auf. Er zeigte nach oben. „Ich geh mal da hoch. Kommt wer mit?“
Wir kamen alle mit, wateten durch den Bach, an der Schwelle war er breit und seicht und hielt das meiste Wasser im Becken. Wir zogen die Schuhe wieder an, stiegen den Hügel hoch. Dann waren wir da, über unserem Schwimmbecken, über dem Wasserfall. Man sah nicht hinter den Fall. Wir hockten uns auf einen Baumstamm und überlegten. Der Bach stellte eine Schneise im Wald dar, war gesäumt von Felsen, Gras, Moos. Erst fünf Meter weiter standen Bäume. Und ein einziger stand näher, war aber umgesägt, wir saßen darauf.
„Das Seil wetzt an den Felsen und reißt“, meinte Bernd enttäuscht.
„Der einzige nutzbare Baum ist umgesägt. Seltsam, hm?“ Lange fiel uns nichts ein.
Dann dachte Chris laut. „Wir denken mit dem Seil nur von oben nach unten. Was ist, wenn wir es von links nach rechts spannen?“
Bernd verstand: „Entlang des Vorsprungs, den ich gegangen bin!“
„Genau!“
„Und wo wollt ihr es festbinden?“
„An dem Baum hier“, führte Bernd aus und meinte den nächsten Baum hier oben, „Und an einem auf der anderen Seite der Bucht. Dann klinke ich mich mit einem zweiten Seil dort ein, um mich zu sichern, und bewege mich am Vorsprung entlang. Und kann mich wie Tarzan durch den Wasserfall schwingen!“

Wir hatten einen Plan, und das war das Wichtigste. Damit konnten wir zurück zu unseren Sachen, herumliegen, faulenzen und die Natur genießen.
„So stelle ich mir das Paradies vor“ schwärmte Bernd. „Was will man da noch in die Karibik?“
Chris fiel ein Grund für die Karibik ein: „Da gäb’s mal was Anderes zu trinken als das ewige Bier.“ Er rückte seine Sonnenbrille zurecht.
„Ja, ich kann’s auch schon nicht mehr sehen“ pflichtete ich ihm bei.

Eine Stunde später traten wir den Heimweg an. Das schwerste Stück lag gleich zu Beginn vor uns. Die ersten drei Meter ging es steil nach oben, ohne einen Absatz dazwischen. Frank ging mutig voran, hechtete dem ersten Ast entgegen, zog sich mühsam und schwerfällig daran nach oben. „Sorry, aber das muss jetzt sein!“ richtete er seine Worte in Richtung des Baumes. Damit überraschte er uns. Wir folgten ihm der Reihe nach. Wiederum wurde meine ganze Kraft und Konzentration gefordert. Es war viel schwieriger und Kräfte zehrender als ich dachte.
Vorbei ging es an moosigen Waldböden, am Baum-Ensemble, wo seltsamerweise die drei Äste auf ihrem alten Stamm als eigene Bäume weiter wuchsen, an großen Farnen, durch das Bett des Sturzbaches. Durchatmen konnten wir auf dem Weg durch das Birkenwäldchen.
„Jetzt könnte eigentlich der Benz wieder kommen“ schlug Bernd vor.
„Ja genau! Dann würden wir endlich mal das Gesicht von dem Typen sehen!“
„Und wir könnten ihn fragen, was hier eigentlich los ist!“, wünschte sich Frank.