Samstag, 11. April 2015

psst!



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Der Pinguin ist nur ein Eye-Catcher, und hat mit dem Produkthinweis nichts zu tun.
Der untenstehende Link könnte einen Skandal verursachen. 

http://www.amazon.de/Ich-Zicke-Ein-Tag-B%C3%BCro-ebook/dp/B00V04UWN0/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1428727724&sr=1-1




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Dienstag, 10. März 2015

Leseprobe "Château-Camping"

Hier eine kleine Leseprobe aus "Château-Camping". Die Kapitel sind angenehm kurz, es steht aber viel drin. In lyrischer Sprachverdichtung wird das dunkle Familiengeheimnis angeschnitten.


Kapitel 10
Lauf, lauf, warmes Wasser, lauf an ihm herab. Lauf, lauf, warmes Wasser, wasche den Dreck von ihm ab, unterbrich nicht deinen Lauf! Schon drückt er auf den Knopf, damit das Wasser weiterfließt. Längst abgewaschen ist die Seife von seinem Körper. Obendrein weichte sie die harte Schale seiner Erinnerungen auf. Lauf, lauf, warmes Wasser – wasche all diese Gedanken von ihm ab.
Sie hatte ihm schöne Augen gemacht, er war ihr Chef gewesen. Der schmutzige Klassiker, während die Ehefrau zuhause nur Ahnungen hat, genährt von schlechten Ausreden, fremdem Geruch, ungewöhnlichen Geschäftsreisen. Ein paar kleine Unachtsamkeiten führten zu einem unschönen Ende. Zu einer Ehe, die in die Brüche ging. Nicht deswegen – er hatte es nie gestanden. Auf dieser Basis aber wogen andere Konflikte gleich viel schwerer, sie führten zu den offiziellen Gründen der Scheidung.
Er hatte sich selbst gehasst, und diesen Zorn an der Sekretärin ausgelassen. Den gemeinsamen Sohn hatte er verstoßen, wollte nichts von ihm wissen. Als dieser achtzehn Jahre später an seiner Tür gestanden hatte, waren ihm nur Wutausbrüche eingefallen – es war das ihm vertraute Verhaltensmuster. Lauf, lauf, warmes Wasser, wasche all diese Erinnerungen von seiner Seele. Lauf, lauf, warmes Wasser, spüle soviel du kannst!

Macht war ihm zuteil gewesen, Macht hatte er eingesetzt. Sich durchgesetzt, mit Widersachern auseinandergesetzt, sie auseinander genommen. Dass Macht mit Verantwortung einhergeht, blieb ihm fremd.
Hatte er jemals in seinem Leben Verantwortung übernommen?
Lauf, lauf, warmes Wasser, wasch ab soviel du kannst! 




6
Aisha bringt ein wenig exotisches Flair in den Supermarkt, in das riesige, neue Gebäude
am Rande des Ortes, an der Durchgangsstraße. Mit dem Auto ist er fünfzehn Minuten vom Château entfernt – und doch die nächste Einkaufsmöglichkeit.
Der Arbeitskittel verdeckt die schlanke Figur, aber ihr Gesicht und das wallende, rabenschwarze Haar verzaubern so manchen Mann. Es ist vor allem der ruhige Blick, aus warmen, braunen Augen, der ihr zusätzliche Schönheit verleiht.
Beim Make Up gehen die Meinungen auseinander. Der großflächige Einsatz von silbernen Tönen um die Augen ist nicht jedermanns Geschmack. Ihr Vater findet es unanständig, und verweigert ihr neuerdings den Kontakt. Für Mutter ist sie schön, und immer noch ihr Kind. 





13
Grünes Licht taucht Schnapsflaschen im Regal in aufregende Farbtöne. Der Tresen scheint in Blau, zieht die ersten Gäste magisch an, wie Insekten, auf der Suche nach einem köstlichen Schluck.
Claudette genießt die schummrige Atmosphäre, bewundert das Etikett auf der Flasche ihres Knut, dem Trendgetränk des Sommers. Sie mag Design und Kneipenluft, bewundert das gute Auge der Gestalter, kann sich aber nicht vorstellen selbst darin tätig zu werden. Es genügt ihr, sich in Gesellschaft zu fühlen, und von schönen Dingen umgeben zu sein.




K
Gierig hält die Schnecke auf das Wohnmobil einer britischen Rentnerin zu, die ihre Kühlbox im Freien sortiert. Doch leider ist die Schnecke zu langsam. Die alte Dame verräumt alles, nimmt sich eine Zeitschrift und geht ins Schlossrestaurant. 






Die volle Version: 
http://www.amazon.de/Ch%C3%A2teau-Camping-Stefanie-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00UDFQIMG/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1425964841&sr=8-1&keywords=chateau-camping



Sonntag, 8. März 2015

Making Of: "Chateau-Camping"

Auf einem Campingplatz tummeln sich ja die verschiedensten Leute. Manche arbeiten dort auch.
Wenn man genauer hinschaut, und das wollen wir tun, erkennt man Interaktionen unter den Protagonisten. Nach und nach wird das Bild klarer, dann ist der Aufenthalt auch schon vorbei.
Fünf Monate lang hatte ich daran gekritzelt, inkl. lektorieren und korrektieren von Ilse Bub von der Autorengruppe "Punktum", also eher lang.


Die Kapitel sind angenehm kurz, bringen immer neue Aspekte über die Protagonisten – und sollten sich in ihrer Form nicht wiederholen. Daran stockte die Arbeit des öfteren. Inspiration holte ich mir dann aus dem Buch „Mink River“, von Brian Doyle.

Auf die Idee brachte mich ein Aufenthalt auf dem Campingplatz Château d‘Eperviere, der auch das Cover ziert.
Als „Gast-Star“ konnte ich eine Weinbergschnecke gewinnen, die ihre Spur als „Marginale“ durch das Büchlein zieht.

"Schnitt" und "Kompositionm" der Kapitel habe ich ganz klassisch ausgetüftelt: mit der Schere den Text in seine Kapitel zerschnippeln, diese neu zusammensetzen, kritisch überdenken, neu arrangieren, neue Kapitel einschieben, im Skript ändern - und dieses Korekturlesen lassen.

Wenn sich das Büchlein locker leicht liest, zum Schmunzeln und Weiterdenken anregt und gute Unterhaltung bietet, dann - ja dann habe ich hart genug daran gearbeitet :-)

Zum Cover-Basteln habe ich einen Crashkurs über Grundlagen des Gestaltens und Anwendung von Grafikprogrammen belegt.
Nach ca. 10 Stunden analogem Schnippeln, Drucken und Verschieben stand der Prototyp-Entwurf. Beim Schliff hat mich das Grafikstudio meines Vertrauens unterstützt, vielen Dank St. Königshusen Grafikdesign!, was nochmals ca. 10 Stunden Arbeit war.

der Prototyp


Dafür kann ich jetzt einen 10 Jahre alten Klapprechner verwenden (ich sag nur: "nachhaltig erzeugte Literatur aus der Region") - und mit ihm bisherige Cover überarbeiten.

Jetzt muss der Spruch noch kommen:
Ja, es ist ein Buch mehr, das die Welt nicht braucht. Aber es ist schön zu lesen.


Es ist noch zu haben, und zwar hier:
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Samstag, 7. März 2015

Kurzroman "Château-Camping"

Sennecy-le-Grand, Burgund, 2014: in einem alten Schloss, Mittelpunkt des dazugehörigen  Campingplatzes, findet ein Schiffskoch sein Zuhause, und eine neue Patchwork-Familie mit der jungen Kassiererin Aisha. Einer der Gäste droht sich eines Tages unheilvoll in das Geflecht einzufügen, und ein dunkles Familiengeheimnis zurückzubringen. Doch der Koch, dessen Namen wir nicht erfahren, ist festentschlossen, die Fehler seiner Familie nicht zu wiederholen.

Haben die Zwei etwas miteinander? Und wen interessiert das überhaupt? Es wird gerade viel genug gezeigt, damit sich die Handlung schließt, und ein entzückendes Bild entsteht. Kein Ballast wie viele Namen, Action oder lange Herleitungen soll das Werk überfrachten, damit die epische Sprache mehr Raum für Assoziationen bekommt.
    Das Abenteuer einer Weinbergschnecke, die in Burgund nicht fehlen darf, läuft  zusätzlich, als eine Art Marginalie, durch das Buch.

Alle Personen und Namen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.



Hier ist es erhältlich:
http://www.amazon.de/Ch%C3%A2teau-Camping-Stefanie-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00UDFQIMG/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1425798407&sr=1-1&keywords=chateau+camping


Samstag, 14. Februar 2015

Leseprobe aus "Cherry Kiss"

Leseprobe

„Gemütlichkeit in der Taverne, während draußen ein Sturm losbricht“

1
Das Licht der sinkenden Sonne taucht die Welt in rotgelbes Licht. Eine warme Sommerbrise raschelt durch die Blätter der Bäume, lässt Äste vor der großen Fensterfront hin und her tanzen. Schwalben fliegen emsig umher, die Sirene eines Rettungsfahrzeugs dringt aus der Ferne, durch die offenen Türen, ins Restaurant. Die meisten Gäste sitzen auf der Terrasse, genießen Gyros oder Souvlaki unter Sonnenschirmen.
    Alois sitzt drinnen und bekommt ein weiteres Bier serviert. Er sitzt oft an diesem Tisch, genießt die gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre aus gebeizten Holzmöbeln, bunten Kissen auf den Bänken, schwarzen Regalen mit Lichtern in den Fächern, die als Raumteiler dienen; und großen Leuchtern, die von der Decke hängen. Ihm gefällt die moderne Einrichtung, sie passt zu den großen Fensterfronten.
    Ägidius, der Kellner, kennt ihn schon lange, Alois verbringt mehrmals die Woche seine Abende hier, trinkt ein Bier nach dem anderen, gehört schon zum Inventar.
Alois kennt die Tätowierung auf dem Unterarm des Kellners, und seine Geschichte. Ägidius war in ein Mädchen verliebt gewesen, hatte sich ihren Namen tätowieren lassen. Nach der Trennung, die sehr schmerzhaft für ihn gewesen war, hatte sie sich in einen anderen jungen Mann verliebt, und diesen geheiratet. Es klang so, als seien Ägidius und er Erzrivalen gewesen. Ägidius hatte den Namen durchstreichen lassen, was zu einem hässlichen Fleck führte, den er für immer auf der Haut trägt. Vor vielen Jahren, zum Ladenschluss, trank er Wein mit Alois, erzählte ihm diese Geschichte.

Ägidius sieht nach den Gästen auf der Terrasse, Alois träumt vor sich hin.
Außer ihm sitzt nur ein Pärchen drinnen, am Ende des Raumes, an der Fensterfront. Sie reden nicht viel, scheinen sich auch ohne viele Worte zu verstehen. Immer wieder amüsieren sie sich leise, inspirieren sich gegenseitig, oder schauen aus dem Fenster. Sie sind schon lange zusammen, das ist für Alois offensichtlich. Am Anfang einer Beziehung legt man sich ins Zeug, will den Partner beeindrucken. Mit den Jahren entsteht tiefes Vertrauen, das nicht viele Worte braucht.

Die dunklen Wolken zeigen sich noch immer mit gelber Färbung, obwohl das Tageslicht weniger wird. Abermals hört man die Sirene eines Rettungsfahrzeugs näherkommen, passieren, in der Ferne verschwinden. Die Äste der Bäume wackeln heftiger. Außer ihm und dem Pärchen scheint es niemand zu bemerken. Ägidius ist mit Servieren beschäftigt, und die Gäste auf der Terrasse sehen nicht viel von der Wolkenfärbung, unter ihren Sonnenschirmen. Nach wie vor dringt lautes Gebrabbel und Lachen von draußen herein. Emsig tragen die Kellner Speisen und Getränke nach draußen, benutztes Geschirr zur Küche, erkundigen sich bei den Gästen, ob alles zur Zufriedenheit ist. Es dauert eine Weile, bis Alois sein nächstes Glas bekommt.
Das ist eine Serviette, die vor dem Fenster vorbeifliegt. Ägidius klappt die Sonnenschirme ein, die ersten Gäste glätten ihr vom Wind zersaustes Haar, ziehen ihre Jacken an, packen ihr Essen und gehen nach drinnen; andere wollen erst aufessen, oder genießen das letzte Licht des Tages.




2
Schon wieder fliegt eine Serviette herum, die Äste wackeln aufgeregt, eine dunkle Wolkendecke bedeckt den Himmel. Der Wind frischt auf, immer mehr Gäste verlassen die Terrasse. Als Regen einsetzt, ziehen auch die Hartgesottenen nach. Das Personal hilft beim Tragen, räumt ab, versorgt Gäste an neugefundenen Plätzen im Trockenen. Einige bezahlen, machen sich auf. Innerhalb kurzer Zeit bricht Starkregen los, viele überlegen es sich deshalb spontan anders, bleiben und bestellen ein Getränk. Man rückt zusammen, arrangiert und hilft sich, es wird gemütlich, Kerzenlicht bringt Behaglichkeit.
Nach und nach finden die Leute zu ihren Gesprächen zurück, füllen den Raum mit ihren Stimmen. Der Regen prasselt unaufhörlich und laut, spült immer wieder neue Gäste ins Lokal, auf der Suche nach einem trockenen Ort zum Aufwärmen. Vielen von ihnen genügt ein Barhocker am Tresen, ein Sessel dahinter oder ein Platz auf einem der beiden Sofas im Eingangsbereich. Zwangsläufig entstehen Gespräche; Menschen, die sich bis eben noch fremd waren, werden zu Bekannten.

Aus dem Regen kommt eine Frau ins Lokal, schüttelt ihren Schirm aus, bevor sie ihn einklappt, hängt ihre nasse Jacke in die Garderobe. Für Alois geht die Sonne auf. Zwar ist sie keine Schönheit, doch ihm gefällt sie. Ihr Alter, ihr Auftreten, all die Spuren alter Geschichten in ihrem Gesicht – diese Mischung spricht ihn an. Sie verlangsamt ihren Schritt, sieht sich um, hält auf den Tresen zu, setzt sich auf einen Barhocker und bestellt sich ein großes Bier. Im Vorbeigehen hatte sie Alois gemustert, aber den Tresen vorgezogen.
Unschlüssig spielt er mit einem Bierdeckel in seinen Fingern, weiß nicht recht was er tun soll. Er hat sie hier noch nie gesehen, obwohl er oft zu Gast ist. Der Sturm muss sie hereingeweht haben.
Er spürt einen Drang, dem er zuerst nachgehen muss. Mit wenigen Schlucken leert er sein Glas, folgt dem ausgeschilderten Weg zur Toilette. Als er die Sofas passiert, sieht er eine lustige Schar junger Leute, die sich angeregt unterhalten. Auch sie hat er nie zuvor gesehen. Ihm gefallen die gute Laune und die Geselligkeit. „Da muss erst ein Sturm kommen, damit es hier mal schön voll wird“, denkt er beim Händewaschen.
Frohen Mutes und mit heiterer Miene geht er in den Gastraum, hält auf den Tresen zu und nimmt neben der Fremden Platz. „Guten Abend. Darf ich ihnen ein Getränk spendieren?“
„Guten Abend.“ Sie wirkt gutgelaunt. „Ich nehme ein Mal das Gleiche.“
Er bestellt zwei große Bier, und schon sind sie ins Gespräch vertieft. „Warum sollen nur auf dem Sofa Menschen zusammenfinden?“, denkt er sich.
Denn auf einem der Sofas, das hat er im Vorbeigehen erfasst, bahnt sich die nächste Bekanntschaft an.
Sie ist blond, kurzhaarig, er brünett, mit langem Haar. Beide sind etwa Mitte zwanzig, und teilen ein gemeinsames Hobby. Immer wieder schielt Alois zu ihnen hinüber, teilt seine Beobachtungen mit seiner neuen Bekanntschaft.




3
„Für Pop ist es zu düster, und für Wave zu leicht“, erklärt er seine Musik.
„Kannst du so richtig spielen?“, will sie wissen.
„Ja, ich habe als Kind Klavierspielen gelernt. Mit dem Keyboard mache ich Flächen dazu, hänge lose kleine Melodien darüber, und Rhythmus macht das Ding auch. Ich kann die ganze Musik machen. Nur der Gesang fehlt mir. Singen wollen viele, und damit zum Popstar werden. Das ist nur leider nicht meine Musik – ich dachte eher an Heavenly Voices ...“
Sie ist begeistert. „Das höre ich auch gerne. Wir können ja mal zusammen proben. Ich war früher im Chor, und würde gerne wieder singen!“
Um die beiden herum haben sich neue Grüppchen und Gespräche gebildet. Es sind junge Leute, die beschließen sich öfter zu treffen, nachdem sie alle in der Nähe wohnen.

Alois freu sich über die Harmonie auf dem Sofa, teilt es seiner neuen Bekannten mit, fragt sie nach ihrem Namen. „Ludmilla“, stellt sie sich vor. „Ich heiße Ludmilla, und habe Durst.“ Er bestellt neues Bier, und freut sich, eine Freu kennengelernt zu haben, die den gleichen Zug drauf hat wie er.
Das Pärchen, das die ganze Zeit drinnen am Fenster verbracht hat, bezahlt und macht sich auf den Heimweg. Gedankenversunken summen beide vor sich hin, gehen an den Sofas vorbei, holen ihre Jacken aus der Garderobe und verlassen das Lokal.
Die gesummte Melodie bleibt bei den beiden Musikern hängen, die schon damit spielen. Im Zusammenspiel entwickeln sie die Tonfolge weiter, arbeiten erste Sequenzen aus, wollen am liebsten gleich spielen und singen.
„In der Garderobe steht ein altes Klavier“, weiß einer der Ortskundigen auf dem Sofa. Sofort nehmen sie es in Beschlag, er klimpert herum, sie summt sich warm. Zusammen erarbeiten und verfeinern sie die Melodie, er variiert ein wenig, sie singt dazu Vokale, einzelne Wörter.
Auf den Sofas wird es still, einer nach dem anderen schaut fasziniert zu den beiden hinüber, verlässt seinen Platz und gesellt sich zur Musik. Sie trauen sich lauter zu spielen und zu singen, verzaubern den ganzen Vorraum des Lokals mit ihrer Musik.
Ägidius sieht es sich ebenfalls an, geht auch gleich zum Tresen und stellt die Musikbeschallung ab. Insgeheim ist er froh die griechische Musik vom Band abstellen zu können. Außerhalb der Öffnungszeiten meidet er sie komplett. Vielleicht sind seine Gäste gar nicht so sehr an griechischem Flair interessiert? Nachdem er den Laden übernommen hatte, und viel an Kitsch entsorgte, kamen mehr Gäste, statt weniger.
Klaviermusik und Gesang der beiden breiten sich in den Gastraum hinein aus, bringen immer mehr Tischgespräche zum verstummen.




4
Ihr ätherischer Gesang bringt jeden, ohne Ausnahme, in Erstaunen. Immer wieder stehen Leute auf und nähern sich der Musik. Der Garderobenraum ist voll mit Zuhörern. Sogar von der Straße kommen Leute herein und sind fasziniert.
Alois und Ludmilla schauen gebannt zu den Musikern. Dazwischen sehen sie sich an, lächeln sich stumm zu.
„Ich glaube, so können wir‘s machen“, meint die Sängerin.
„Mit einem Dis im vierten Takt, statt dem D. Das gibt dem Thema mehr Tiefe.“
Das ganze Lokal applaudiert, immer wieder sprechen Gäste ihr Entzücken aus. Die Zwei hatten gar nicht gemerkt, dass sich Menschen um sie herum gruppieren.
„Wo kann man euch sehen?“, werden sie wiederholt gefragt. Sie haben sich erst kennengelernt, es gibt noch keine Band, keine Songs, gar nichts – nur die Idee.
    Nach und nach kehren die Gäste an ihre Plätze zurück. Keiner hat Augen für Alois und seine neue Bekannte am Tresen. Sie halten die Händchen, hatten begonnen sich von ihren Schicksalsschlägen zu erzählen, als die Musik sie sentimental machte. Gemeinsam wollen sie nun ihre Sucht überwinden, zumindest ihren Pegel senken, und zu einem neuen Leben finden – wenn es passt, auch gerne zusammen. Keiner der beiden hatte noch daran geglaubt, bis der heutige Abend sich anschickte, viele Dinge neu zu arrangieren. Durch die Kraft des Sturms, vielleicht auch nur dank der kühlen Luft die er brachte, fühlen sie sich wieder lebendig. Die Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft, mit einem Menschen der einen versteht, schenkt beiden Hoffnung und neuen Lebensmut. Sie tauschen Telefonnummern, wollen sich wieder sehen. Alois staunt über sich selbst und den Wandel des Schicksals. Er hatte sich nach schlechten und verletzenden Erfahrungen mit seiner ersten Frau in sich selbst zurückgezogen und dem Alkohol zugesprochen. Das Glück hatte ihn verlassen, aber natürlich nicht die Welt. In den verschiedenen Gaststätten, am liebsten in dieser Taverne, konnte er Paare und Pärchen beobachten, freute sich an ihrem Glück – er war ein Romantiker geblieben. In Ägidius glaubte er einen Schicksalsgenossen gefunden zu haben. Die Geschichte seiner Tätowierung hatte ihm gefallen. Er wagte nicht, sich nach seinem aktuellen Status zu erkundigen. Und dann hatte der Sturm heute alle Bedenken fortgeblasen. All das Glück, das er seinen Mitmenschen gewünscht hatte, scheint nun zu ihm zu kommen.

Für die meisten Gäste ist ebenfalls vieles anders. Musik hat die Anonymität zwischen den Menschen überwunden und einige von ihnen neue Bekanntschaften schließen lassen. 
Einer nach dem anderen werden die Gäste das Lokal verlassen, sich auf den Rückweg machen. Sie werden in ihr bisheriges Leben zurückfinden, wohin auch sonst. Was bleibt, ist die Idee, dass es auch anders sein könnte. 




Den ganzen Band gibt es hier: 
http://www.amazon.de/Cherry-Kiss-Story-Cocktail-1-ebook/dp/B00LRK3N6A/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1423918912&sr=1-1&keywords=cherry+kiss


Übrigens: 
habe ich mit meiner Frau in der Story einen kleinen CAMEO-Auftritt. ;-) 

Und: Teil 2 der Story-Cocktail-Reihe braucht "nur  noch" ein Cover, und ist für Frühjahr 2015 vorgesehen. 






Sonntag, 30. November 2014

Bonusmaterial und Teaser zu "Wildnis Nr. 50"


Herzlich willkommen in der Wildnis – nicht fern, und doch weit weg. 

Diese Zeilen schreibe ich im Spätherbst – bei Nebel und Kühle. Wer möchte jetzt im Wald herumlaufen und durchs Unterholz robben, um unentdeckt Jagdbeute zum Haus zu bringen, in dem es obendrein weder Strom noch warmes Leitungswasser gibt? 

Peter und "der Ich" sind freiwillig dort geblieben. Wie es dazu kam, erzählt der Roman "Wildnis Nr. 50". Zur Beruhigung: er spielt im Sommer. 

Es ist mein 2. Roman. Hier gibt es den Klappentext und das eBüchlein:
http://www.amazon.de/Wildnis-Nr-50-Robert-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00KMOO1H2/ref=sr_1_10?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1417362359&sr=1-10


Als Bonusmaterial dazu habe ich mir diese Episode aus dem Herbst ausgedacht. Sie trägt nichts zur Handlung bei – es ist ein freies Spiel mit dem Thema. 

Ihr seht schon: bei den Recherchen hatte ich den Ruf der Wildnis vernommen – und gerade noch rechtzeitig den Sprung zurück in die Zivilisation geschafft. 

Eingerahmt wird der Text von sommerlichen Fotos, als kleiner Ausgleich. 

Doch nun auf zu diesem verwegenen Abenteuer. Ich wünsche viel Vergnügen mit dem kleinen Bonustext! 














„Wilderer, männlich, im Wald“

Gut erhalten lagen die beiden Kitze vor uns. Kein Wunder, wir hatten sie erst gestern geschossen und im Gang hinter dem Wasserfall versteckt. Wanderer mussten gestern die Polizei über unsere Schüsse informiert haben, denn sie kreiste den ganzen Tag herum. Auch der Förster war unterwegs. Durch den Uralt-Trick „Flinten und Tiere verstecken, erst Tage später heimbringen“, konnten sie uns nichts anhaben. Das war gestern im Morgengrauen gewesen, der besten Zeit für die Jagd.
Auch jetzt war nicht helllichter Tag, es mochte so zwischen vier und fünf am Nachmittag sein. Wir wollten das Zwielicht nutzen, um unsere Beute unentdeckt heimzubringen.


Das Leben hier in den Bergen, mit möglichst wenig Rückgriff auf die Zivilisation, war wesentlich schwieriger als wir dachten. Hias schlug vor, ein bis zwei Rehe zu wildern, um durch den Herbst zu kommen. Es war Anfang November, kühles Regenwetter zog über die Berge, und nachts wurde es empfindlich kühl.
Spätherbst war Jagdzeit, und Hias schlug vor, dünne Jungtiere zu schießen, da sie schlechte Überlebenschancen im Winter hätten, und Jäger sie nicht vermissen würden. Und wenn wir das schlechte Wetter für den Transport nutzten, kamen uns auch kaum Wanderer in die Quere. Der Förster würde mit seinem Auto den Wald abfahren, hätte keine Lust auszusteigen. Ab durch die Mitte – das war sein Plan. Er war einfach gerissen!

Für zusätzlichen Nervenkitzel veranstalteten wir ein Wettrennen. Hias und Apollonia bildeten das eine Team, Peter und ich das andere. Wir nannten sie „Team Geister“ und „Team Jungs“. Die Verlierer mussten nach der Metzgerarbeit die Abfälle entsorgen, was laut Hias ein „ziemlicher Scheiß“ sei.
Wir wickelten jedes Kitz in ein Tuch, das es verbarg, und das Tragen erleichterte. „Team Geister“ bekam das Bockkitz, das der Hias erlegt hatte. „Des erkennst am Krickl“, murmelte er, und deutete auf das kleine Geweih, das eigentlich nur aus kleinen Stangen auf seinem Kopf bestand.
Jedes Tier wog ungefähr 15 kg. Die Gehzeit auf dem Weg betrug 15 bis 20 Minuten, durchs Gelände mindestens doppelt so lang. Der Sprühregen war allgegenwärtig, Polizei und Förster konnten uns plötzlich über den Weg laufen. Beste Voraussetzungen für ein „lustiges Geländespiel XXL“, wie Peter es nannte.

Jockel musste zuhause bleiben, er galt als parteiisch. Frank wollte mit ihm im Haus bleiben, das Feuer warm halten, und sich danach mit Jockel der Metzgerarbeit widmen. Er hielt uns für „Wahnsinnsknaben“, und hatte damit recht – wie immer.

Die Kitze waren eingewickelt. Hias warf seins über seine Schultern, wir probierten noch. Man konnte es unter dem Arm tragen, auf der Schulter, oder zu zweit. Nach kurzer Beratung trugen wir es zu zweit, nebeneinander her gehend. In schwierigem Gelände würde es einer allein nehmen.
„Auf drei!“ Apollonia zählte ruhig, dann ging es los!

„Team Geister“ marschierte los, auf dem Trampelpfad, geradewegs zum neuen Forstweg, und der Brücke über den Bach, wo der Legende nach ein Wilderer zu Tode gestürzt war.
„Die haben Nerven“, murmelte Peter. Auch ich wunderte mich, warum sie ausgerechnet dorthin steuerten.
Wir hatten uns für den bewährten Weg entschieden. Peter stürzte sich todesmutig den steilen Pfad hinab, in den Kessel. Vorsichtig ließ ich unser Reh hinab gleiten, er fing es unten auf, und ich stolperte hinterher. Der Sprühregen hatte den Weg in eine Rutschpiste verwandelt. Mit wenigen Schrammen rappelten wir uns auf, hatten mehr Glück als Verstand gehabt. Vor uns war das Becken, in das der Wasserfall hinein stürzte. Nach diesem Becken war der Bach normalerweise seicht, viele große Steine erleichterten die Überquerung. Doch die ungebändigte Kraft des Wassers hatte die Steine durcheinander gekullert, eine elegante Überquerung schien ausgeschlossen. Wir gafften in den Bach und überlegten.
„Also?“
„Also!“
Schuhe und Hosen trugen wir mit dem Reh, und los ging es! Das Wasser reichte uns bald zu den Knien, und es war kalt. In der Mitte des Bachs fluchte ich vor mich hin, da die Kälte mich durchdrang, und ich meine Zehen nicht mehr spürte. Die Strömung trug das ihre bei, mit jedem Schritt mussten wir gegen sie angehen. Da half nur Zähne zusammenbeissen, alles ignorieren und tapfer weiter voran stapfen. Zuhause gab es einen Schnaps und heißen Tee zur Belohnung – darauf freute ich mich. Was war das für eine Erlösung, als uns das Wasser nur noch zu den Knöcheln reichte! Notdürftig rubbelten wir uns trocken und zogen uns an. Es tat gut, die Kälte des Wassers nicht mehr direkt auf der Haut zu haben.
Beim Erklimmen des Hügels auf der anderen Seite wurde uns wieder warm. Ein Zehntel des Wegs war schon geschafft.
Bequem ging es dann auf einer Trasse weiter, dem alten Forstweg. Flink und beinahe lautlos tippelten wir dahin. Unsere Augen und Ohren hatten wir überall, nahmen jeden Vogel und jedes Eichhörnchen wahr. Die Bäume waren hoch, der Boden kahl, man konnte weit sehen – und gesehen werden.

Zeitgleich stoppten wir. Da hinten huschte etwas. Wie der Kopf eines Wanderers, der dann verschwand. Außerdem kam ein neues Geräusch hinzu, das Brummen eines Motors. Der Fall war klar. Wir sahen uns um, und einigten uns auf die Furche, in der ein kleiner Sturzbach hinab ins Gebüsch führte.

Die Füße immer schön quer stellen, ein bisschen im Zickzack laufen, um die Hangabtriebskraft besser abzufangen und nicht über die eigenen Füße zu stolpern! Auf Äste und Blätter achten, um nicht zu viele Geräusche zu machen, oder gar wegzurutschen. Wir hatten viel gelernt, seit wir hier oben lebten.
Fast lautlos tauchten wir ins Unterholz. Zwischen Faulbaum und Haselstauden verschwanden wir, nutzten das Große Hexenkraut zur Tarnung. Vier bis fünf Stauden von ihm, zwei kleine Äste, und das Kitz war versteckt. Wir beide legten uns flach auf den Boden. Unsere Flachs -und Loden-Klamotten trugen das Übrige zur Tarnung bei. Natürlich wurden sie feucht und schmutzig, aber dazu hatten wir sie. In der Hocke wären wir zu hoch, das Gesicht würde unter dem Hut hervorscheinen, jeder Jäger würde uns entdecken. Immerhin verbrachten Jäger und Förster schon mehr Jahre im Wald als wir. Auf die Idee, dass wir uns in den Dreck legen, kamen sie hoffentlich nicht. Wir hatten den besseren Lehrer, und waren einfach gerissener!
Den Förster durften wir nicht unterschätzen. Er lief bei Dauernieselregen im Wald herum, im Dämmerlicht, um uns zu suchen. Wusste er, dass wir das schlechte Wetter nutzen wollten? War er genau deswegen unterwegs? Und wie schätzte er uns ein? Kam er auf dem alten Forstweg vorbei, der jetzt etwa zwanzig Meter über uns lag? Wie viel Zeit gaben wir ihm dafür? Eine Stunde, zwei? Wir waren voll in die Falle gelaufen, und mussten einen Ausweg finden. Der Vorteil aus Wetter und Tageszeit wandelte sich zu einem Riesennachteil für uns.

Ich sog die kühle Luft ein, die angenehm nach Wald, Regen, Kühle, Nebel, feuchter Luft und Erde roch. Sie beruhigte mich. Der Wald bot genug von allem, man musste es nur nutzen. Auch Peter sah gutgelaunt drein.
Leichte Nebelwolken hingen in den Baumkronen, manche dehnten sich aus, und krochen in die Senken. Jeder Felsen und jeder Baumstamm bekam eine magische Aura. Ich fand es gemütlich, aber wir hatten da noch eine Aufgabe zu erledigen.
Peter traute sich zuerst ein paar Worte zu flüstern: „Ich tippe er kommt von da.“ Er zeigte auf die Senke mit dem Unterholz, in Richtung unseres Hauses.
„Glaub ich auch.“
Wer gerissen genug ist, uns jetzt zu suchen, ist auch schlau genug, das Unterholz zu durchkämmen.
Da ein Auto den Forstweg absuchte, machte es keinen Sinn für ihn, dort zu laufen. Im Klartext: den Weg durchs Unterholz heimzulaufen, war die Falle, in die wir tappen sollten.
Auf den alten Forstweg zurückzukehren, wäre der größte Fehler. Der Förster im Unterholz würde uns sehen. Blieb nur eine Lösung:
„Über den Neuen Forstweg!“, schlug ich vor.
„Unter ihm durch!“, konterte Peter.
Der Neue Forstweg lag tiefer, und jenseits gab es Gebüsch und jungen Wald, um unentdeckt heimzukommen. Wir mussten nur die Seite wechseln – das war der Schwachpunkt.

Das Gestrüpp zog sich bis zum neuen Forstweg, die Rinne für den Sturzbach lief daneben. Leise und vorsichtig krochen wir im Unterholz bergab, auf allen Vieren, oder geduckt, jede Deckung ausnutzend, das Kitz zogen wir hinterher. Gelegentlich brachten wir Pflanzen zum Wackeln, oder traten auf Stöckchen. Der Wind kompensierte das hoffentlich, nur leider wehte er unsere Geräusche in Richtung des Försters. Uns blieb keine Wahl. Wir arbeiteten uns vor zum Forstweg, der auf einer aufgeschütteten Trasse über unsere Köpfe hinweg führte. Fünf Meter seitlich führte ein großes Blechrohr unter ihm hindurch, damit Sturzbäche hier durchlaufen konnten.
Die Lage schien ruhig, ich packte mir das Reh unter den Arm, wir trabten los. Etwa fünf Meter ging es durch lichten Wald, der nur aus hohen Bäumen bestand, bis wir in das Rohr kamen. Dort plätscherte der Sturzbach dahin. Breitbeinig staksten wir hindurch, spreizten uns ein. An den Rändern der verschiedenen Wasserstände hatte sich grüner und glitschiger Belag gebildet. Er war nicht nur eklig, sondern vor allem gefährlich.
Es roch ziemlich muffig, aber dafür kam der Regen nicht rein. Ab und an rutschte ich ab, und meine feuchten Schuhe wurden nass. Wir mussten gebückt gehen, hatten den fauligen Belag also dauernd vor Augen und in der Nase. Auf dem Metall des Rohrs wucherte der Schlick, kein Waldboden sog ihn ein. Das war für mich der Tiefpunkt, meine Laune war am Kippen, ich freute mich nur noch auf ein warmes Bad in der Wanne  auch wenn ich dazu erst stundenlang den Herd schüren und Wasser kochen musste.
    Das Rohr war durchquert, und die „Schnitzeljagd“ ging weiter. Peter packte sich das Kitz auf die Schultern, zügig trabten wir den waldigen Hügel hinab, zum nächsten Unterholz. Bevor wir dort abtauchten, sahen wir uns um. Niemand war zu sehen.
Der Plan war klar: im Schutz des Dickichts marschieren, den Bach überqueren, und kurz vor unserem Haus Bach und Forstweg nochmals überqueren. Die Schwierigkeit war, dass Bach und Forstweg im Endspurt parallel liefen, man vom Weg einen guten Blick auf den Bach hatte. Das mussten wir riskieren.

Es fühlte sich gut an. Kühler Wind und Feuchtigkeit im Gesicht, von Nebel eingehüllter Bergwald, während Dämmerung das Land versteckte, der frische Geruch diverser Moose, Farne und Bäume – und ein gewildertes Rehkitz im Gepäck. Dazu ein Förster und die Polizei, die nach uns suchen. Das war ungetrübte Wildererromantik!

Mit kraftvoller Anmut rauschte klares Wasser den Bach hinunter, schlug schäumend gegen Felsen, lief keck daran vorbei, oder spritzte in die Höhe.
Moos überzog einen umgestürzten Baum, Pilze wuchsen darauf empor. Wir staksten durch die „Grüne Hölle“, und staunten über ihre Üppigkeit. Die meisten Pflanzen kannten wir mittlerweile: Wald-Ziest, Roter Hartriegel, Hohlzahn, Liguster. Der Geruch von Pilzen lag in der feuchten Luft. Blätter strichen uns über die Schienbeine, vermooste Felsen säumten unseren Weg, ich fühlte mich heimelig und stark.

Weit konnte es nicht mehr sein. Ein letzter Hügel stand uns im Weg. Der Aufstieg war steil und anstrengend, die Bäume standen eng, pieksten und kratzten uns gebührend, doch wir hatten das Ziel schon vor Augen. Zur Linken stand ein Fels, der senkrecht in den Bach abfiel. Und das Haus konnten wir schon sehen!
Wir machten uns an den Abstieg, als Peter mir mit einer Geste deutete, dass ich zurückbleiben solle, und sich leise auf den Hosenboden setzte. Ich tat es ihm gleich, lugte über den Hügel, sah das flache Stück voll mit Wedeln des Königsfarns, die seichte Furt durch den Bach, den Forstweg, der vor dem Haus vorbeiführte, und darauf ein Auto der Polizei. Oh nein!
Noch schienen sie uns nicht zu sehen, aber sie bewegten sich auch nicht. Wie kamen wir jetzt unentdeckt über den Weg? Überhaupt nicht. Fieberhaft überlegten wir. Es gab nur eine Möglichkeit, da waren wir uns einig. Doch wie setzten wir sie um?
„Ich sehe harmloser aus“, meinte Peter.
Ich gab ihm recht, und hatte meine Nase schon im Wind. Es kam mir vor, als könne ich die Beamten riechen, wie ein wildes Tier. Also schnappte ich mir das Kitz und schlich los. „Der Waldkauz“, gab ich das Erkennungszeichen aus.

Der Abstieg war genauso unangenehm, abermals pieksten und kratzten mich die dürren Äste der engstehenden Bäume. Keine Ahnung ob ich irgendwo blutete.
Den Bach zu überqueren, war so eine Sache. Ich schritt und hüpfte von einem großen Stein zum nächsten, doch ab der Mitte des Bachs war es vorbei. Das Gewicht des Kitzes hielt mich zurück, feuchte Steine ließen mich abgleiten, damit gab ich es auf. Mit der Gewissheit bald daheim zu sein, stieg ich ins Wasser und watete durch, das Kitz auf dem Kopf balancierend. Notdürftig wrang ich meine Hose aus, machte das Geräusch eines Waldkauzes und hielt mich startklar.

Es dauerte etwas, dann kam Peter über den Forstweg geschlendert, direkt vor dem Polizeiauto, er wendete, und wollte hinten am Wagen vorbei. Umgehend stiegen die Beamten aus, hielten ihn auf. Es war dieser kurze Moment, als sie ausstiegen und nach hinten gingen. Genau das war mein Moment! Mit vier großen Schritten war ich über den Weg gesaust! Ich duckte mich ins Gebüsch, sah sie in meine Richtung schauen, und dann wieder im Gespräch mit Peter.
Jetzt musste ich schnell sein! Die Bäume standen auch hier eng, dürre Äste standen überall im Weg, es war düster. Dafür hatte ich guten Sichtschutz, und kam so bis ans Haus. Ich beschloss rückwärts zu gehen, damit mir nicht andauernd das Gesicht zerkratzt wurde. Die Passage konnte nicht viel länger als drei Minuten dauern, war eintönig und anstrengend. Einmal fiel ich sogar hin. Irgendjemand hatte vor Jahren das Drahtgestell einer alten Matratze im Wald vergraben, aber nicht tief. Ich kannte die Stelle, sie stellte eine viereckige Erhöhung im Boden dar, bei dieser Sicht dachte ich nur nicht daran.

Die Stimmen wurden lauter und deutlicher, die Beamten begleiteten Peter bis zur Haustür. Ich wartete im Wald ab, bis sie vor der Tür standen, lud mir das Kitz auf die Schultern, das auf einmal ganz schön schwer war, und stakste langsam durch die Brennnesseln.
Durch das offene Fenster zum Toilettenraum hörte ich die eifrige Diskussion mit den Beamten. Peter und Frank verlangten immer wieder einen Durchsuchungsbefehl und wimmelten die Beamten ab. Es gäbe Zeugen, wir sollten den Wilddiebstahl zugeben. Danke, kein Interesse.

Ich wartete ab, bis die Polizisten wirklich verschwunden waren, dann stieg ich durch das offene Fenster ein. Stolz schritt ich in die Küche, präsentierte das Kitz. Jockel, Apollonia und der Hias bekamen sich kaum noch ein vor dreckigem Gelächter.
„Für an Stadterer nit schlecht“, meinte Apollonia diplomatisch.
Der Hias war direkter: „Drei moi so lang wia mir! Nit schlecht!“
„Es gab ... Schwierigkeiten ...“, erklärte ich. „Der Förster kam uns entgegen, Polizei war unterwegs ...“
„Isch klar.“
„Wie seid ihr denn gegangen? Kamen sie euch nicht über den Weg?“
„Mir san glei übern Bach“, erklärte der Hias. „Da geht ma oiwei in der Niederung, neba dem Bach her, im Unterhoiz. Der Förster patrouilliert aber oben, aufm oiden Forstweg. Er moant, von da oben siggt ma ois. So war des scho immer! Genau desweg‘n geh‘n mir oiwei da unten durch. Und es is‘ da direkte Weg.“
Abermals lachten alle, aber nicht mehr so laut.
„Wo ihr los seids“, fügte der Hias an, „is uns klar g‘wen, dass ihr da oben laufts, und dass die alle auf eich los genga. Also war für uns der Weg frei! So einfach is‘ des vor 100 Joar nia g‘wen!“







Sonntag, 9. November 2014

Leseprobe: Wald- und Wiesengeschichten

Leseprobe: Wald- und Wiesengeschichten


1


„Hops“ und „Happs“ denkt sich der Fuchs, als er auf das für ihn leckere Kaninchen zuspringt. Doch was passiert jetzt? Etwas Großes, Lautes und Leuchtendes kommt ratternd näher, ein Ungetüm – und es hält direkt auf ihn zu. Er wendet, lässt das Kaninchen sausen, und flüchtet sich zurück ins Unterholz. Das Wesen, oder Ding, kam erstaunlich schnell. Über das steinige, ebene Band, das sich durch den Wald zieht, hatte er sich oft genug gewundert, sich aber weiter keine Gedanken gemacht. „Hier kommt doch nie was!“, zweifelt er. Und dann kracht dieses Ungetüm auch noch in einen der Bäume.

„Um Himmels Willen“, schreit der Fahrer des 38er Aston. „Der Kotflügel hat einen Totalschaden! So einen bekomme ich nie wieder! Mein schönes Auto!“ Seine weiteren Flüche drehen sich um Wertminderung, und um Wildtiere im Allgemeinen. Einmal im Jahr, im Frühsommer, holt er den Wagen aus seiner Garage, um an der traditionellen Oldtimer-Rally teilzunehmen. „Hier kam noch nie ein Tier!“, schimpft er und tritt wütend in den Baum.

„Muss das sein, du Chaot!“, krächzen die Eichelhäher, als sie in panischer Angst auffliegen, und zusehen müssen, wie ihr halbes Nest herunterrieselt, der Baum knickt und gefährlich schief stehenbleibt. „Den können wir vergessen!“ „Wohin sollen wir nur?“ „Wir müssen brüten!“ „So viel Arbeit umsonst!“ „Hier können wir nicht bleiben!“ „Wo sollen wir hin?“ „Wir müssen los, wir müssen los!“ „Es ist schon so spät im Jahr!“ „Wir müssen brüten!“ „Auf gehts, auf gehts!“ „Ob wir den Verlust jemals aufholen?“ „Wir müssen los, wir müssen los!“


2
Aufgeregt flattert das Eichelhäherpaar auf, umrundet seinen alten Baum. Dieser beginnt, weder für unsere Augen, noch für Vogelaugen wahrnehmbar, seine Äste neu auszurichten, um mit seiner Schieflage weiterleben zu können.

Das gefiederte Paar flattert hektisch von Baum zu Baum, auf der Suche nach einem neuen Nistplatz. Nicht jeder Baum kommt dafür infrage – zu klein, zu dünn, zu nah am Wohnort gefährlicher Tiere, oder bereits von anderen Paaren bewohnt. „Hier ist kein Platz mehr!“, heißt es allerorten, „Hier ist kein Platz mehr für euch!“

Immer tiefer fliegen sie in den Wald, der voller ungeeigneter Bäume ist. „Einer muss doch für uns dabei sein!“ Nur leider entwickeln Nadelbäume im Wald keine ausladenden Äste; sie schießen nach oben, um dort an Sonnenlicht zu kommen. Das Unterholz fällt karg aus, bietet sich genau so wenig zum nisten an.
Nach einer Ewigkeit des Fliegens und Suchens, als sie dabei sind, die Hoffnung zu verlieren, entdecken sie eine Lichtung. Freudig erregt flattern sie im Kreis um sich selbst und frohlocken. Zwischen Fichten stehen Buchen und Kastanien, deren ausladende Äste über die Wiese hängen. „Hier finden wir einen Platz!“ Emsig begutachten sie jeden Baum an der Lichtung, sitzen Probe, piepsen eifrig.
Nachdem jeder Ast besichtigt ist, wählen sie einen Lieblingsplatz. Sie sind begeistert von ihrer Platzwahl, fangen sofort an Kleinholz vom Waldboden zu picken und ein neues Nest zu bauen. Für eine Nachbrut ist es noch nicht zu spät!
Nicht jeder Bewohner ist darüber erfreut, am wenigsten das Eichhörnchen. 



Fortsetzung hier: 
http://www.amazon.de/Wald--Wiesengeschichten-Robert-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B00PDL4E8K/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1415555532&sr=1-1


Und Teil 2 des Büchleins spielt sich mit der Frage, wie die Tierreliefs aufs Schloss kamen, und was die Gechichten hinter der Geschichte sind. 




1
Die Wildsau


Endlich gings los zur Jagd! Im Jahr des Herrn 1601, einem außergewöhnlich kühlen Jahr, in einer ohnehin kühlen Zeit, das den Bewohnern von Schloss Döswald lange in Erinnerung bleiben sollte, ließ Ritter Eckbert von Döswald zur Jagd blasen.
Schon preschten all seine kühnen Recken, vier an der Zahl, auf ihren Pferden in den Wald, immer den Hunden folgend, die ihrerseits wiederum ihrer Fährte folgten. Es störte die kühnen Recken nicht, dass die Hunde mal kreuz, mal quer liefen. Die Spuren einer Wildschweinrotte waren kurz zu sehen, den Rest würden die Hunde schon finden. 



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